Kleinmünchen: Linz' großer Südstadtteil mit Industrie- und Wohntradition
Kleinmünchen im Linzer Süden ist mit 12,72 km² einer der größten Stadtteile und wurde am 16. Juni 1923 eingemeindet. Rund ein Fünftel aller Linzer:innen wohnt hier. Geprägt von Textilindustrie seit 1830, dem Wasserwerk Scharlinz (1892) und heute vom Bezirk Kleinmünchen-Auwiesen mit Nemak, Banner und Linz Textil. Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 3.
Kleinmünchen: Der große Südstadtteil von Linz
Wir haben den Linzer Stadtteil Kleinmünchen zusammengestellt - mit 12,72 km² Fläche einer der größten Stadtteile, in dem rund ein Fünftel der gesamten Linzer Bevölkerung lebt. Kleinmünchen wurde am 16. Juni 1923 nach Linz eingemeindet, war zuvor eine eigenständige Gemeinde mit industrieller Prägung und blickt auf eine Siedlungsgeschichte bis ins 10. Jahrhundert zurück. Heute ist der Stadtteil seit 2014 Teil des statistischen Bezirks Kleinmünchen-Auwiesen. Du kennst eine Kleinmünchner Geschichte, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.
Die Eingemeindung am 16. Juni 1923
Am Samstag, 16. Juni 1923, wurde Kleinmünchen offiziell Teil der Stadt Linz. Der damalige Linzer Bürgermeister Josef Dametz (SDAP) und Bezirkshauptmann Georg Hebestreit reisten mit der Straßenbahn in den südlichen Nachbarort und übernahmen die Gemeinde vom Kleinmünchner Bürgermeister Karl Steiger. Die ersten Verhandlungen liefen bereits 1914, gerieten aber durch den Ersten Weltkrieg ins Stocken. Steiger - selbst Sozialdemokrat - nahm die Gespräche 1919 wieder auf und brachte die Fusion zum Abschluss. Für Linz bedeutete der Schritt eine erhebliche Flächenerweiterung nach Süden und den Zugriff auf das Wasserwerk Scharlinz. Für Kleinmünchen brachte die Eingemeindung konkrete Versprechen: ein öffentliches Kinder-Schwimmbad, den Ausbau des elektrischen Lichts und eine Bürgerschule. Das 100-Jahre-Jubiläum wurde 2023 groß gefeiert, begleitet vom 640-seitigen Jubiläumsband des Historikers Helfried Hinterleitner. Mehr dazu bei meinbezirk.at.
Die Geschichte vor 1923: Kirche, Mönche, Mühlen
Der Name Kleinmünchen geht auf das althochdeutsche Wort munih („Mönch") zurück. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1290 und bezieht sich auf die Kirche „sancti Quirini in Municheyn" - die heutige Pfarrkirche St. Quirinus. Archäologische Grabungen 1982 ergaben, dass diese Kirche bereits die dritte an derselben Stelle war - die Besiedlung reicht damit bis ins 10. Jahrhundert. Kleinmünchen entwickelte sich im Mittelalter als Kirchdorf mit landwirtschaftlicher Prägung, später kamen Mühlen an der Traun hinzu, die dem Ort seine erste wirtschaftliche Bedeutung gaben. Die heutige katholische Pfarrkirche wurde 1906 geweiht, die evangelische Johanneskirche folgte 1965. Die Traun bildet bis heute die südliche Stadtteilgrenze.
Die Industrialisierung ab 1830: Textil als Motor
Die industrielle Geschichte Kleinmünchens begann 1830 mit der Gründung einer Baumwoll-Spinnfabrik mit 30 Spinnstühlen. Diese Keimzelle wuchs im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Kleinmünchner Baumwollspinnerei und Weberei - dem Vorgängerbetrieb der heutigen Linz Textil, die noch immer im Stadtteil produziert. Mit der Textilindustrie kamen Arbeiter:innen aus Böhmen, Schlesien und dem südlichen Oberösterreich. Kleinmünchen wurde zur Arbeitersiedlung vor den Toren Linz - mit eigener Infrastruktur, Vereinsleben, Schulen. Das Wasserwerk Scharlinz (1892 eröffnet) sicherte die Trinkwasserversorgung und war einer der Hauptgründe, warum Linz an der Eingemeindung Interesse hatte. Mehr zur OÖ-Industriegeschichte im VOEST-Artikel und im Alte-Linzer-Berufe-Artikel.
NS-Zeit: KZ-Außenlager Linz III
In Kleinmünchen befand sich von Mai 1944 bis Mai 1945 ein Außenlager des KZ Mauthausen („Linz III"). Über 5.000 Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit gezwungen, überwiegend für Rüstungsbetriebe im Linzer Süden. Das Lager ist Teil der oberösterreichischen NS-Geschichte und wird heute an mehreren Linzer Gedenkstätten kontextualisiert. Mehr zum Linzer Umgang mit der NS-Zeit beim KZ-Gedenkstätte-Mauthausen-Verein.
Kleinmünchen heute: Wohnen, Industrie, Grün
Der heutige statistische Bezirk Kleinmünchen-Auwiesen kombiniert Wohngebiete, Gewerbeareale und großflächige Grünräume. Die Hauptarbeitgeber im Stadtteil:
- Nemak Linz - Aluminiumguss für die Automobilindustrie
- Banner Batterien - international führend im Bereich Starter- und Industriebatterien
- Linz Textil - Textilproduktion am historischen Standort
- Straßenbahnremise Kleinmünchen - Betriebshof der Linz AG Linien mit Werkstätten
Die Wohngebiete reichen von Arbeiterhäusern aus den 1920er-Jahren (rund um die Eingemeindungsgrenze) bis zu Neubau-Wohnanlagen in Auwiesen. Die Postleitzahl ist 4030, der Stadtteil grenzt an Waldegg im Norden, St. Peter im Osten, Ebelsberg im Süden und an die Gemeinden Traun und Leonding im Westen.
Verkehr und Erreichbarkeit
Kleinmünchen ist über die Straßenbahnlinie 3 direkt mit der Linzer Innenstadt verbunden. Die Endhaltestelle heißt Remise Kleinmünchen - in der Nähe des Betriebshofs der Linz AG. Die Linie 3 verläuft von der Landgutstraße in Urfahr über die Nibelungenbrücke, den Hauptplatz, die Landstraße, den Hauptbahnhof und entlang der Wiener Straße nach Kleinmünchen. Die Strecke wurde 1902 konzessioniert und gehört damit zu den ältesten Abschnitten des Linzer Straßenbahnnetzes. Für die schnelle Erreichbarkeit aus der Innenstadt braucht man rund 25 Minuten. Mit dem Auto führt die Wiener Straße (B1) direkt durch den Stadtteil, der Anschluss an die Autobahn A7 erfolgt über Ebelsberg. Details zum Liniennetz auf linzag.at.
Grün und Freizeit: Wasserwald und Traun
Der Wasserwald ist das große Naherholungsgebiet von Kleinmünchen - ein Mischwald mit Laufstrecken, Radwegen und Spielplätzen. Die Traunpromenade bietet einen Donauschwemmland-Charakter mit Aussicht auf den Fluss. Im Sommer ist der Pleschinger See zwar eigentlich in Steyregg, aber für Kleinmünchner:innen gut erreichbar. Das Parkbad Kleinmünchen - nicht zu verwechseln mit dem großen Parkbad an der Donaulände - ist das Stadtteil-eigene Freibad. Mehr Linzer Sommer-Tipps im Sommer-Aktivitäten-Artikel.
IG KLIKK: Der Kaufmanns-Zusammenschluss
Eine Besonderheit Kleinmünchens ist die Interessengemeinschaft KLIKK - ein lokaler Zusammenschluss von Kaufleuten und Dienstleistern, der seit 2008 von 20 auf über 60 Betriebe gewachsen ist. KLIKK organisiert Veranstaltungen wie die Oktoberroas, einen Muttertagsmarkt, einen Weinfrühling und einen Bauernmarkt an der Quirinuskirche. Viermal jährlich erscheint das „KLIKK-Blick"-Magazin. Für den Stadtteil-Zusammenhalt ist KLIKK eine der wichtigsten Bürger-Initiativen. Mehr auf linz.at/leben.
Was Sie über Kleinmünchen wissen sollten
Wohnen in Kleinmünchen: Mietpreise und Qualitäten
Kleinmünchen gilt als bezahlbare Wohngegend im Vergleich zur Linzer Kernstadt. Mietpreise liegen rund 15-20 Prozent unter dem Niveau der Innenstadt (Stand April 2026). Die Mischung aus alten Arbeiterhäusern, Nachkriegs-Gemeindebauten und Neubau-Anlagen in Auwiesen spricht ein breites Publikum an. Familien schätzen die Nähe zum Wasserwald und die Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten. Die Straßenbahn-Anbindung macht das Pendeln in die Innenstadt unkompliziert. Für Käufer:innen bietet Kleinmünchen ebenfalls interessante Optionen - von Einfamilienhäusern in Auwiesen bis zu Eigentumswohnungen.
Einkaufen und Nahversorgung
Der Eurospar Kleinmünchen ist die Hauptankerstelle der Nahversorgung. Dazu kommen zahlreiche kleinere Fachgeschäfte, Bäcker, Friseure, Gastronomie und Dienstleister entlang der Wiener Straße und der Dauphinestraße. Der Bauernmarkt bei der Quirinuskirche bringt am Wochenende regionale Produzent:innen in den Stadtteil - Fleisch, Käse, Gemüse, Gebäck. Im Gegensatz zur Innenstadt hat Kleinmünchen einen nachbarschaftlichen Charakter - viele Geschäfte sind inhabergeführt, das Personal kennt die Stammkunden. Für den großen Einkauf fahren viele in das Einkaufszentrum PlusCity in Pasching (10 Minuten mit dem Auto).
Schulen und Bildung
Kleinmünchen hat eine dichte Schullandschaft - Volksschulen, Mittelschulen und die BHAK Kleinmünchen (Bundeshandelsakademie mit Schwerpunkt Wirtschaft). Für Linzer Familien sind die Kleinmünchner Schulen eine der zugänglicheren Optionen neben den Innenstadt-Gymnasien. Für weiterführende Bildung ist die Johannes Kepler Universität in Auhof (Nordosten von Linz) mit der Straßenbahn in rund 45 Minuten erreichbar - mehr im JKU-Artikel.
Sport und Vereine
Der SV Kleinmünchen ist einer der traditionellen Linzer Fußballvereine, spielt in den unteren österreichischen Ligen und betreibt eine starke Nachwuchs-Arbeit. Daneben gibt es Tennisclubs, Turnvereine, Musikvereine und Blasmusikkapellen. Die Vereinslandschaft Kleinmünchens ist eines der Elemente, die den Stadtteil-Charakter ausmachen - Kleinmünchen fühlt sich weniger wie ein Linzer Stadtteil an, mehr wie eine eigene Ortschaft. Für den Linzer Profisport sind die Innenstadt-Vereine zuständig - mehr im LASK-Portrait und im Blau-Weiß-Linz-Artikel.
Kleinmünchen vs. andere Linzer Stadtteile
Kleinmünchen unterscheidet sich deutlich von anderen Linzer Stadtteilen. Urfahr (mehr im Urfahr-Artikel) ist der nördliche Donau-Stadtteil mit Uni-Bezug und Hausberg-Nähe. Ebelsberg ist kleiner und dörflicher. Der Bindermichl ist ein dichter Arbeiter-Stadtteil mit Gemeindebau-Prägung. Urfahr hat die Kulturinstitutionen (Ars Electronica Center), die Innenstadt die Einkaufsstraße und Verwaltung. Kleinmünchen positioniert sich dazwischen als Wohn- und Arbeitsstadtteil mit eigener Identität - nicht zentrumsnah, aber umfassend ausgestattet. Für Neuankömmlinge in Linz mit Wohnsitzsuche ist Kleinmünchen eine der praktischeren Adressen im Stadtgebiet.