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Johannes Kepler Universität Linz: Die JKU als Hauptuni Oberösterreichs

Die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) wurde am 8. Oktober 1966 als Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften gegründet und 1975 nach Johannes Kepler benannt. Mit rund 24.000 Studierenden die größte Universität Oberösterreichs, vier Fakultäten (SoWi, TNF, Rechtswissenschaften, Medizin seit 2014) und sechs Schools inklusive Linz Institute of Technology. Campus: 36 Hektar in Auhof.

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Johannes Kepler Universität Linz: Die JKU als Hauptuni Oberösterreichs

Die JKU: Linz' große Forschungsuniversität

Wir haben die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) zusammengestellt - Oberösterreichs größte Universität und das wichtigste wissenschaftliche Zentrum des Bundeslandes. Die Universität wurde am 8. Oktober 1966 als Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften eröffnet und am 1. Oktober 1975 in Johannes Kepler Universität umbenannt. Der Namenspate Johannes Kepler - Mathematiker, Astronom und Entdecker der nach ihm benannten Planetengesetze - lehrte von 1612 bis 1626 an der Linzer Landschaftsschule. Heute studieren rund 24.000 Menschen an vier Fakultäten und sechs Schools. Du studierst an der JKU und kennst eine Geschichte, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.

Die Gründung 1966: Wirtschaftswissenschaften für Oberösterreich

Vor 1966 gab es in Oberösterreich keine Volluniversität - wer in Linz Abitur machte, musste für das Studium nach Wien, Graz oder Salzburg. Die Industrie Oberösterreichs (VOEST, Chemie Linz, Linz AG) brauchte dringend akademisch ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler:innen und Juristen vor Ort. Die politischen Beschlüsse fielen ab 1962, die Eröffnung erfolgte dann am 8. Oktober 1966 als Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (HfSW). Der Lehrbetrieb nahm zwei Tage später auf. Erster Rektor war Josef Wohinz. Die ersten Jahrzehnte waren geprägt von schnellem Wachstum - neue Fakultäten, neue Studiengänge, neue Gebäude. Der Name Johannes Kepler Universität wurde am 1. Oktober 1975 eingeführt, zeitgleich mit der Gründung der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Mehr zur Kepler-Zeit in Linz bei stifterhaus.at und im Linzer-Schloss-Artikel.

Vier Fakultäten: SoWi, TNF, Rechtswissenschaften, Medizin

Die JKU gliedert sich heute in vier Fakultäten:

  • Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät (SoWi) - gegründet 1966 als Kerneinrichtung, gemessen an der Studierendenzahl die größte Fakultät der JKU. Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Internationale Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik, Statistik, Soziologie, Sozialwirtschaft.
  • Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (TNF) - gegründet 1969, seit der Eröffnung des TNF-Turms 1978 das architektonische Wahrzeichen der Uni. Mechatronik, Informatik, Technische Mathematik, Technische Physik, Chemie, Biologie, Polymer Chemistry, Artificial Intelligence. Österreichs erstes Informatik-Studium startete 1969 an der JKU. Das weltweit erste Mechatronik-Studium wurde 1990 eingerichtet.
  • Rechtswissenschaftliche Fakultät - gegründet 1975, bietet Rechtswissenschaften, Wirtschaftsrecht, Steuerwissenschaften und Multimediales Recht (seit 2002 mit Europas erstem Online-Multimedia-Jus-Diplomstudium).
  • Medizinische Fakultät - jüngste Fakultät, 2014 gegründet. Österreichs erstes Medizinstudium im Bachelor/Master-System, mit organzentrierten Lehrmodulen statt traditioneller Fachsystematik. Die Medizinische Fakultät arbeitet eng mit dem Kepler Universitätsklinikum (Krankenhausstraße 5) zusammen - dem MED Campus I.

Dazu kommen sechs Schools, darunter das Linz Institute of Technology (LIT), die JKU Business School (seit 2019, mit eigenem Neubau „House of Schools I" seit 2025), die Linz School of Education (2016), die Linz School of Business Law, die JKU Medical School und das 2024 eröffnete Linz Institute for Transformative Change. Zusammen bieten die Einrichtungen über 100 Studiengänge und Universitätslehrgänge. Mehr auf jku.at.

Der Campus Auhof: 36 Hektar Park-Universität

Der Hauptcampus der JKU liegt in Auhof im Nordosten von Linz, im Stadtteil St. Magdalena-Dornach. Die Campusfläche umfasst rund 36 Hektar (365.000 m²) - eine der größten Universitätscampi Österreichs. Die Gebäude sind in einer Parklandschaft rund um einen künstlichen Teich gruppiert. Wahrzeichen ist der TNF-Turm (Technikum) mit 17.084 m² Fläche, eröffnet 1978. Moderne Zugänge sind der LIT-Bau, der Business-School-Neubau und das Science Park-Areal. Dazu kommt der Mensa-Bereich, Bibliothek, Kepler Hall und viele Institutsgebäude. Der MED Campus liegt dagegen in der Linzer Innenstadt, bei der Krankenhausstraße 5 (Keplerklinikum).

Anreise zum JKU Campus

Der JKU Campus Auhof ist mit den Straßenbahnlinien 1 und 2 direkt erreichbar. Endhaltestelle Universität. Zusätzlich Express-Buslinie 77 von der Innenstadt. Fahrtzeit vom Linzer Hauptplatz: etwa 20 Minuten. Mit dem Auto über die B127 oder B125, auf dem Campus gibt es begrenzte Parkplätze (Parkgebühr bei mehrstündigem Aufenthalt). Für das Campus-Leben ist die Öffi-Anbindung völlig ausreichend - die meisten Studierenden nutzen Straßenbahn oder Fahrrad. Mehr zum Linzer Öffi-Netz im Stadt-am-Steuer-Artikel.

Kepler Universitätsklinikum: Die Medizin-Infrastruktur

Das Kepler Universitätsklinikum ist das Lehrkrankenhaus der JKU-Medizin und zugleich Oberösterreichs größtes Krankenhaus mit 1.830 Betten. Das Klinikum entstand 2015 durch Fusion des Allgemeinen Krankenhauses Linz (AKh), der Landes-Frauen- und Kinderklinik und der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg. Der Hauptstandort MED Campus I an der Krankenhausstraße ist Ausbildungsort für Medizinstudierende, Stätte der klinischen Forschung und Schnittstelle zwischen Universität und Gesundheitsversorgung. Dazu kommen der MED Campus III (Wagner-Jauregg) und der MED Campus IV (Kinder- und Frauenheilkunde). Mehr auf kepleruniklinikum.at.

Bekannte JKU-Forschung: Softwarepark, KI, Mechatronik

Die JKU hat sich als Forschungsuniversität mit Technik-Schwerpunkt positioniert. Wichtige Forschungsbereiche:

  • Softwarepark Hagenberg - gegründet 1989 als Ausgliederung der JKU in Hagenberg im Mühlkreis, einer der ersten Technologieparks Österreichs, heute Standort für Symbolic Computation und Software-Forschung
  • JKU LIT AI Lab - Künstliche Intelligenz, mit Sepp Hochreiter als international bekanntem Forscher (Miterfinder des LSTM-Netzes, Grundlage moderner KI-Systeme)
  • Mechatronik - JKU hat das weltweit erste Mechatronik-Studium 1990 eingerichtet, heute Referenz-Standort für das Fach
  • Polymer Chemistry - Zusammenarbeit mit Borealis und anderen OÖ-Chemieunternehmen
  • RISC (Research Institute for Symbolic Computation) - eng verknüpft mit Bruno Buchberger (Gröbner-Basen-Entdecker)

Mehr zur JKU-Forschung im Linzer-Wissenschaftler-Artikel.

Was Sie über die JKU wissen sollten

Studienbedingungen: Kosten, Gebühren, Stipendien

Für EU/EWR-Bürger:innen ist das Studium an der JKU gebührenfrei (bei Einhaltung der Mindeststudiendauer). Für Nicht-EU-Studierende beträgt die Studiengebühr 726,72 Euro pro Semester (Stand April 2026) - plus ÖH-Beitrag von rund 22 Euro. Stipendien gibt es über die Studienbeihilfe (studienbeihilfe.at) und über Landes- und Bundesförderungen. Die Lebenshaltungskosten in Linz sind moderater als in Wien - Studierendenwohnheime ab etwa 300 Euro/Monat, WG-Zimmer ab 350 Euro, private 1-Zimmer-Wohnungen ab 450 Euro. Mehr zu Studierenden-Wohnungen im Kleinmünchen-Artikel.

Bewerbung und Aufnahmeverfahren

Die meisten JKU-Studiengänge haben keine speziellen Aufnahmeverfahren - Matura reicht zur Zulassung. Ausnahmen: Medizin (bundesweites MedAT-Verfahren in Kooperation mit Wien, Graz und Innsbruck), Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftspädagogik und vereinzelte andere Fächer mit Aufnahmetest. Für Medizinstudierende ist der MedAT-Test im Juli entscheidend - rund 300 Studienplätze bundesweit für JKU aus rund 5.000 Bewerber:innen. Mehr zur Bewerbung auf jku.at/studium.

ÖH und Studierendenleben

Die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der JKU (ÖH JKU) ist die Studierendenvertretung. Wahlen alle zwei Jahre, aktuelle Vorsitz-Fraktionen wechseln. Die ÖH-Beratung hilft bei Studienwahl, Beihilfen, Anrechnungen. Das KHG (Katholische Hochschulgemeinde) und das ESG (Evangelische Studierendengemeinde) bieten Gemeinschaft unabhängig vom religiösen Anspruch. Für das Nachtleben in Uni-Nähe: die Bars und Lokale in Urfahr sind mit der Straßenbahn 1/2 in 10 Minuten zu erreichen - mehr im Urfahr-Artikel und im Studentenbars-Linz-Artikel.

JKU Sommerakademie und Kinderuni

Die JKU veranstaltet jährlich die JKU Kinderuni - Vorlesungen für 7-12-jährige Schüler:innen über Wissenschaft und Forschung in kindgerechter Form. Termine im Juli-August, Anmeldung ab April. Für Erwachsene gibt es Weiterbildungsangebote über die JKU Business School und die JKU LIMAK Austrian Business School - MBA-Programme, Executive Education, Zertifikatskurse. Für Alumni existiert das JKU Alumni Club-Netzwerk mit Veranstaltungen, Mentoring und Karriereunterstützung.

JKU im österreichischen Uni-Vergleich

Die JKU positioniert sich in Österreich als Forschungsuniversität mit Technik- und Wirtschafts-Schwerpunkt. Im Vergleich zur Universität Wien (größte Uni, Geisteswissenschaften-Schwerpunkt) oder der Karl-Franzens-Universität Graz (Volluniversität mit Breite) ist die JKU kleiner, aber stärker forschungsorientiert. Die Medizinische Fakultät ist die jüngste Österreichs (2014) - mit innovativem Bachelor/Master-System. Das LIT AI Lab mit Sepp Hochreiter gehört zu den international renommierten KI-Forschungsstätten. Für Studierende mit Interesse an Mechatronik, Informatik, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsrecht ist die JKU eine der besten österreichischen Adressen. Für breite geisteswissenschaftliche Ausbildung wäre Wien oder Graz naheliegender - dort ist das Angebot umfassender als in Linz.

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