LINZ JOURNAL

Urfahr: Der Linzer Stadtteil nördlich der Donau

Urfahr war bis 1919 eigene Gemeinde, heute Linzer Stadtteil nördlich der Donau mit rund 16.000 Einwohnern. Der Name leitet sich von der Donau-Überfahrt ab. Wichtige Adressen: Nibelungenbrücke (1940), Ars Electronica Center, Hauptstraße als Geschäftsstraße, Anton Bruckner Privatuniversität, Stadtwerkstatt. Zugang zum Pöstlingberg-Hausberg.

· 9 Min. Lesezeit · Von
Urfahr: Der Linzer Stadtteil nördlich der Donau

Urfahr: Der Linzer Stadtteil mit eigener Identität

Wir haben Urfahr zusammengestellt - den Linzer Stadtteil nördlich der Donau mit eigener langer Geschichte. Urfahr war bis 1919 eine eigene Stadtgemeinde und wurde erst mit der Eingemeindung am 31. Mai 1919 Teil von Linz. Die Urfahrer Identität ist auch über 100 Jahre nach der Eingemeindung noch erkennbar. Du kennst eine Urfahr-Episode, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.

Der Name Urfahr: Die Donau-Überfahrt

Der Name „Urfahr" leitet sich vom Wort „Überfahrt" ab. In mittelalterlichen Zeiten war die Überquerung der Donau mit einer Fähre nötig, um zum Nordufer zu gelangen. Eine Hauptfunktion war der Transport des Linzer Salzes von den südlichen Ladestätten über die Donau nach Norden - von dort weiter ins Mühlviertel und nach Böhmen. 1360 erscheint Urfahr erstmals als Bezeichnung für die Ortschaft am linken Donauufer. Die Siedlung entwickelte sich an der Überfahrtsstelle als eigenständige Gemeinde - mit eigenem Rathaus, eigener Kirche, eigener Bürgerschaft. Vor dem Bau der Brücken war die Fähre die einzige Verbindung nach Linz.

Urfahr bis 1919: Eigene Gemeinde

Urfahr wuchs im 18. und 19. Jahrhundert zu einer eigenständigen Stadtgemeinde. Wichtige Entwicklungen:

  • Markt-Tradition: der Urfahraner Jahrmarkt ist ein Linzer Kultur-Klassiker (seit Jahrhunderten)
  • Industrie-Entwicklung: einzelne Industriebetriebe an der Donau
  • Wohnqualität: die ländlichere Atmosphäre am linken Donauufer
  • Pöstlingberg-Eingemeindung 1919: Urfahr eingemeindete den Pöstlingberg kurz vor der eigenen Eingemeindung nach Linz

Die Urfahrer Bürgerschaft war in vielen Bereichen eigenständiger und liberaler als die Linzer Innere-Stadt-Bürgerschaft. Die Urfahrer Identität prägt bis heute die Stadt-Wahrnehmung. Mehr in unserem Stadtteile-Geschichte-Artikel.

Die Eingemeindung 1919: 15.000 neue Linzer:innen

Am 31. Mai 1919 wurde die Eingemeindung Urfahrs nach Linz rechtswirksam. Am Sonntag, 1. Juni 1919, waren die rund 15.000 Urfahraner:innen Linzer:innen. Gründe für die Eingemeindung: der schlechte Zustand beider Städte nach den Kriegsjahren, die wirtschaftliche Notwendigkeit gemeinsamer Verwaltung, die gewachsene Zusammengehörigkeit. Mit der Eingemeindung von Urfahr (einschließlich des zuvor Urfahr zugeschlagenen Pöstlingbergs) erreichte Linz eine Fläche von 42 Quadratkilometern - eine erhebliche Erweiterung. Die Urfahrer Identität ging aber nicht unter - viele Urfahrer:innen sprechen bis heute von „nach Linz fahren", wenn sie in die Innenstadt wollen. Mehr im Stadtteile-Überblick.

Die Nibelungenbrücke: Die zentrale Verbindung

Die wichtigste Verbindung zwischen Urfahr und Innerer Stadt ist die Nibelungenbrücke. Die heutige Brücke wurde am 13. Mai 1938 von Adolf Hitler in Auftrag gegeben - Teil der NS-Prestige-Bauten für die „Patenstadt des Führers". Bauzeit bis 1940, Länge 250 Meter. Nach Kriegsende (vom 27. Juli 1945 bis zum 8. Juni 1953) war die Nibelungenbrücke Grenzübergang zwischen amerikanischer (südlich der Donau) und sowjetischer (nördlich der Donau) Besatzungszone. Mehr zu diesem Thema in unseren Linz-nach-1945-Artikel. Heute ist die Nibelungenbrücke eine Haupt-Verkehrsachse mit Straßenbahnen, Bussen, Pkw, Fußgängern und Radfahrern. Die Brückenkopfgebäude am Süd-Ende (Kunstuniversität) und am Nord-Ende sind architektonisch markant.

Die Hauptstraße: Urfahrs Geschäftsstraße

Die Hauptstraße ist die zentrale Geschäftsstraße Urfahrs - verläuft von der Nibelungenbrücke bis zur Freistädter Straße. Die Straße bietet:

  • Einzelhandel mit Kleidungs-, Lebensmittel-, Elektronik-Geschäften
  • Gastronomie mit Cafés, Restaurants, Bars wie Bady's Chill (mehr im Karaoke-Linz-Guide)
  • Dienstleistungen mit Banken, Arztpraxen, Friseursalons
  • Club-Adressen wie Sirup am ehemaligen Grand-Filou-Standort (mehr im Clubs-Guide)

Die Hauptstraße ist Urfahrs zentrale Achse - weniger dicht bebaut als die Linzer Landstraße, aber mit eigenem Charakter und Atmosphäre. Anreise per Linien 1, 2, 3 in wenigen Minuten vom Linzer Hauptplatz.

Wichtige Urfahrer Adressen

Urfahr beherbergt mehrere wichtige Linzer Kultur- und Bildungs-Institutionen:

  • Ars Electronica Center (AEC) an der Ars-Electronica-Straße 1 - das Museum der Zukunft direkt an der Nibelungenbrücke
  • Anton Bruckner Privatuniversität in der Hagenstraße 57 - Linz' Musik-Hochschule (mehr in unserem Universitäten-Überblick)
  • Stadtwerkstatt (STWST) in der Kirchengasse 4 - legendäres Kulturzentrum seit 1979 (mehr im Clubs-Guide)
  • Sirup am ehemaligen Grand-Filou-Standort - neuerer Club-Kultur-Verein
  • Club Cube an der Hauptstraße 4 - in Ars-Electronica-Nähe
  • Pöstlingbergbahn-Bergstation in Urfahr-Nord - eine der steilsten Adhäsionsbahnen Europas

Mehr im Clubs-und-Techno-Guide, Galerien-Guide und Familien-Guide (Pöstlingbergbahn, Zoo Linz).

Der Pöstlingberg und Urfahr-Nord

Urfahr umfasst auch den Pöstlingberg-Hang - den 537 Meter hohen Linzer Hausberg. Der Pöstlingberg bietet:

  • Wallfahrtsbasilika Sieben Schmerzen Mariens - barocke Wallfahrtskirche
  • Pöstlingbergbahn - historische Adhäsionsbahn seit 1898
  • Zoo Linz - am Pöstlingberg-Hang mit 600 Tieren
  • Grottenbahn - historische Märchenbahn
  • Aussichtsplattform mit Blick über die Stadt
  • Bergrestaurants - Pöstlingberg Schlössl und weitere

Mehr in unseren Linz-mit-Kindern-Guide und Romantisches-Linz-Guide.

Was Sie über Urfahr wissen sollten

Urfahr-Identität im 21. Jahrhundert

Auch über 100 Jahre nach der Eingemeindung behält Urfahr eine eigene Identität. Urfahrer:innen unterscheiden zwischen „in Linz" (Innenstadt südlich der Donau) und „in Urfahr" (ihrer eigenen Hälfte). Die Urfahrer Sprache hat teilweise eigene Dialekt-Varianten. Urfahrer Traditionen wie der Urfahraner Markt (jährlich zweimal, Frühjahr und Herbst) werden bewusst gepflegt. Für Linzer Identitäts-Forschung ist Urfahr ein interessantes Fallbeispiel - ein Stadtteil, der seine historische Eigenständigkeit nicht vollständig aufgegeben hat, aber in die Linzer Stadtgesellschaft integriert ist.

Anreise und Verkehr

Urfahr ist über verschiedene Achsen erreichbar. Nibelungenbrücke als Haupt-Verkehrsader - mit Straßenbahnen 1, 2, 3 und Bus-Verbindungen. Eisenbahnbrücke (restauriert als Pöstlingbergbahn-Verbindung) als zweite Brücken-Verbindung. Mühlkreisautobahn A7 als Pkw-Zufahrt aus dem Norden. Innerhalb Urfahrs Verbindungen mit Bus und Straßenbahn. Der Mühlkreisbahnhof in Urfahr ist Endpunkt der Mühlkreisbahn ins Mühlviertel. Für Linz-Besucher:innen ohne Auto: Linien 1, 2, 3 fahren alle über die Nibelungenbrücke, kein zusätzliches Ticket nötig. Mehr im Linz-Linien-Guide.

Wohnen in Urfahr

Urfahr gilt als attraktives Wohngebiet - grüner, ruhiger als die Innenstadt, mit Nähe zur Donau und zum Pöstlingberg. Wohnungen entlang der Hauptstraße sind eher urban, Pöstlingberg-Hang-Wohnungen haben höhere Preise wegen der Aussicht. Mietpreise in Urfahr liegen 2026 zwischen 12-17 Euro pro m² warm - mittleres Linzer Niveau, deutlich über Bindermichl-Keferfeld (9-13 Euro) und unter Innenstadt-Spitzenlagen (18-22 Euro). Für Studierende der JKU und der Anton Bruckner Privatuniversität ist Urfahr die nahegelegene Wohn-Option (mehr im Wohnen-Linz-Guide).

Urfahr-Tour durch den Stadtteil

Ein selbst geführter Urfahr-Spaziergang in 3 Stunden. Start am Hauptplatz in der Innenstadt. Nibelungenbrücke überqueren - Brückenkopfgebäude mit Kunstuniversität beachten. Ars Electronica Center am Nord-Ende der Brücke. Spaziergang entlang der Donauufer-Promenade in Urfahr. Hauptstraße als Geschäftsstraße - Stadtwerkstatt in der Kirchengasse besuchen. Pöstlingbergbahn ab Hauptplatz Urfahr zum Pöstlingberg. Mehr in unseren Gratis-Linz-Guide und Familien-Guide.

Mehr aus Stadt
Linz Hauptbahnhof: Sieben Mal Österreichs schönster Bahnhof
Stadt · · 8 Min.

Der Linz Hauptbahnhof wurde 2002-2004 komplett neu gebaut, Architekt Wilhelm Holzbauer, Eröffnung 1. Dezember 2004, Investitionsvolumen 90 Millionen Euro. Das charakteristische weit auskragende Dach auf gebündelten Stahlstreben und das durchgehende Glasband prägen die Architektur. Zwischen 2005 und 2011 wurde der Bahnhof sieben Mal in Folge vom Österreichischen Verkehrsclub (VCÖ) als Schönster Bahnhof Österreichs ausgezeichnet - als einziger in Österreich.

Kleinmünchen: Linz' großer Südstadtteil mit Industrie- und Wohntradition
Stadt · · 9 Min.

Kleinmünchen im Linzer Süden ist mit 12,72 km² einer der größten Stadtteile und wurde am 16. Juni 1923 eingemeindet. Rund ein Fünftel aller Linzer:innen wohnt hier. Geprägt von Textilindustrie seit 1830, dem Wasserwerk Scharlinz (1892) und heute vom Bezirk Kleinmünchen-Auwiesen mit Nemak, Banner und Linz Textil. Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 3.

Anreise nach Linz: Hauptbahnhof, Auto, Flughafen
Stadt · · 9 Min.

Linz Hauptbahnhof als Westbahn-Knoten mit ÖBB- und Westbahn-Verbindungen, Westautobahn A1 für Anreise aus Salzburg und Wien, Mühlkreisautobahn A7 aus Tschechien, Flughafen Linz Blue Danube für Inlands- und Europa-Verbindungen, plus Fernbus-Anbindungen und alle Wege nach Linz 2026.