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Linz Hauptbahnhof: Sieben Mal Österreichs schönster Bahnhof

Der Linz Hauptbahnhof wurde 2002-2004 komplett neu gebaut, Architekt Wilhelm Holzbauer, Eröffnung 1. Dezember 2004, Investitionsvolumen 90 Millionen Euro. Das charakteristische weit auskragende Dach auf gebündelten Stahlstreben und das durchgehende Glasband prägen die Architektur. Zwischen 2005 und 2011 wurde der Bahnhof sieben Mal in Folge vom Österreichischen Verkehrsclub (VCÖ) als Schönster Bahnhof Österreichs ausgezeichnet - als einziger in Österreich.

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Linz Hauptbahnhof: Sieben Mal Österreichs schönster Bahnhof

Hauptbahnhof Linz: Österreichs architektonische Bahnhof-Referenz

Wir haben den Linz Hauptbahnhof zusammengestellt - den wichtigsten Verkehrsknoten Oberösterreichs und eines der am höchsten ausgezeichneten Bahnhofsgebäude Österreichs. Der Neubau entstand 2002-2004 nach Plänen des Wiener Architekten Wilhelm Holzbauer, eröffnet am 1. Dezember 2004. Zwischen 2005 und 2011 wurde der Bahnhof sieben Mal in Folge vom Österreichischen Verkehrsclub (VCÖ) als „Schönster Bahnhof Österreichs" ausgezeichnet - ein Rekord, den kein anderer österreichischer Bahnhof erreicht hat. Mit rund 51.000 Reisenden täglich ist der Linz Hauptbahnhof ein zentraler österreichischer Verkehrsknotenpunkt an der Westbahnstrecke Wien-Salzburg. Du kennst eine Hauptbahnhof-Geschichte, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.

Die Geschichte: Vom Kaiserbahnhof zum Holzbauer-Bau

Die Linzer Bahnhofsgeschichte beginnt 1858 mit der Eröffnung der Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Westbahnstrecke Wien-Linz-Salzburg). Das erste Bahnhofsgebäude war ein klassischer Kaiserbau der Habsburger Epoche. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof schwer beschädigt, in der Nachkriegszeit mit neuen Hallen wiederaufgebaut. Der Nachkriegs-Bahnhof aus den 1950er-Jahren diente bis Anfang des 21. Jahrhunderts - wurde aber zunehmend als funktional überholt, ästhetisch uninspiriert und verkehrstechnisch unzureichend wahrgenommen. Die Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am 12. September 2003, der alte Bahnhof wurde parallel abgerissen, der neue Bau in der bemerkenswert kurzen Zeit von rund zwei Jahren realisiert. Kosten: etwa 90 Millionen Euro. Die feierliche Eröffnung fand am 1. Dezember 2004 statt.

Die Architektur: Holzbauer und das schwebende Dach

Wilhelm Holzbauer (1930-2019) war einer der bedeutendsten österreichischen Architekten des 20. und frühen 21. Jahrhunderts - bekannt auch für das Haus der Musik Wien, die U-Bahn-Station Schottenring und zahlreiche Wohn- und Verwaltungsbauten. Für den Linz Hauptbahnhof entwickelte er eine offene, lichtdurchflutete Halle mit markanter Dachkonstruktion:

  • Weit auskragendes Dach - das Dach ragt weit über den Gehsteig und Fahrbahnbereich hinaus
  • Gebündelte Stahlstreben - das Dach wird von einer Reihe gebündelter Stahlstreben getragen, die eine filigrane, schwebende Wirkung erzielen
  • Durchgehendes Glasband - das weit gespannte Dach wird von prismenförmigen Lichtbändern durchbrochen und wirkt dadurch leicht und transparent
  • Große, offene Empfangshalle mit direktem Blick auf Gleise und Umgebung
  • Kurze Umsteigewege zwischen Zug, Straßenbahn, Bus, Fahrrad, Auto

Die Kombination aus großzügigem Design, Helligkeit und Funktionalität machte den Linz Hauptbahnhof zum Referenzbau für moderne österreichische Bahnarchitektur - zeitgleich oder vor den späteren Neubauten in Wien (Hauptbahnhof 2014), Salzburg, Graz und anderen Städten.

Der VCÖ-Preis: Sieben Mal „Schönster Bahnhof Österreichs"

Der Österreichische Verkehrsclub (VCÖ) zeichnet jährlich den schönsten Bahnhof Österreichs aus. Der Linz Hauptbahnhof gewann diesen Titel sieben Jahre in Folge:

  • 2005 - erste Auszeichnung
  • 2006, 2007, 2008, 2009, 2010 - jedes Jahr erneut Preisträger
  • 2011 - siebte und letzte Auszeichnung in Folge

Kein anderer österreichischer Bahnhof hat diesen Titel so häufig in Folge erhalten. Seit 2012 wechseln sich verschiedene Bahnhöfe ab, der Linzer bleibt aber international anerkannt - bei europäischen Bahnhofs-Umfragen (European Railway Award, Travellers' Choice, etc.) landet er regelmäßig in den Top-Listen. Der Preis ist mehr als nur architektonisches Kompliment - er steht für Benutzerfreundlichkeit, Barrierefreiheit, Infrastruktur-Qualität, Reinigung, Service, Gastronomie.

Der Verkehrsknotenpunkt: Wer wo hin fährt

Der Linz Hauptbahnhof ist ein überregionaler Verkehrsknotenpunkt:

  • Westbahnstrecke Wien-Salzburg - ÖBB Railjet, IC, EC-Verbindungen im 30-60-Minuten-Takt. Fahrzeit nach Wien: rund 1 Stunde 15 Minuten (Railjet). Nach Salzburg: rund 1 Stunde 10 Minuten.
  • Westbahn (Privatanbieter) - ebenfalls Wien-Linz-Salzburg mit günstigeren Tarifen
  • Summerauer Bahn - nach Norden Richtung České Budějovice (Tschechien)
  • Mühlkreisbahn - nach Urfahr und Rottenegg im Mühlviertel
  • Pyhrnbahn - nach Süden Richtung Selzthal, Graz
  • S-Bahn Oberösterreich - regionale Nahverkehrsverbindungen in alle OÖ-Richtungen
  • Internationale Fernverbindungen - Nachtzüge nach Berlin, Hamburg, Amsterdam, Brüssel, Zürich

Im Bahnhofsbereich halten zusätzlich Straßenbahnen (Linien 1, 2, 3, 4), zahlreiche Buslinien und Fernbusse (FlixBus, Eurolines). Mehr zum Linzer Öffi-Netz im Linz-Linien-Guide.

Was Sie über den Linz Hauptbahnhof wissen sollten

Die Infrastruktur: Geschäfte, Gastronomie, Services

Im Bahnhofsgebäude und in unmittelbarer Umgebung finden sich:

  • Supermärkte (Spar, Billa, Interspar) - viele 7 Tage die Woche bis spät geöffnet
  • Bäckereien (Der Mann, Anker), Kaffeehäuser, Fast-Food-Ketten
  • Restaurants und Imbissstände aller Qualitätsstufen
  • Buchhandlung Morawa, Tabaktrafik, Friseur, Apotheke
  • Gepäckschließfächer rund um die Uhr zugänglich
  • Reiseservice und ÖBB-Ticketschalter
  • Taxi-Standplatz direkt vor dem Hauptausgang
  • Fahrradparkplätze - überdacht und teilweise bewacht
  • Tiefgaragen mit Kurz- und Langzeit-Tarifen
  • Barrierefreier Zugang zu allen Ebenen über Aufzüge und Rampen

Für reisende Passagiere deckt der Hauptbahnhof alle Bedarfe ab - vom schnellen Kaffee bis zur Übernachtung (Hotel Arcotel in unmittelbarer Bahnhofsnähe).

Vom Bahnhof in die Stadt

Vom Hauptbahnhof zur Linzer Altstadt und zum Hauptplatz:

  • Zu Fuß über die Landstraße (Haupteinkaufsstraße) - rund 20-25 Minuten, sehenswerter Weg durch Einkaufsviertel
  • Mit der Straßenbahn Linie 1, 2, 3, 4 vom Bahnhofsvorplatz - Fahrzeit rund 5-7 Minuten zum Hauptplatz
  • Mit dem Taxi - rund 8-12 Euro zur Altstadt (Stand April 2026)

Die Landstraße (die Haupteinkaufsstraße Linz' vom Bahnhof zum Hauptplatz) ist eine der wenigen Fußgänger-Einkaufsstraßen Österreichs mit Straßenbahn im Mittelbereich - ein Linzer Spezifikum.

Bahnhof-Westseite: Der Ausbau 2020er

Aktuell (Stand April 2026) erfolgt ein Ausbau der Linz Hauptbahnhof-Westseite - ein 2020er-Jahre-Projekt der ÖBB-Infrastruktur AG zur Kapazitätserweiterung und zum Anschluss neuer Wohn- und Geschäftsareale westlich des Bahnhofs. Das Projekt umfasst rund 40.000 m² neue Fläche für Wohnungen, Büros, Gastronomie und öffentliche Infrastruktur. Der Fertigstellung wird bis 2028 erwartet - dann entsteht eine Art „Bahnhofs-City" mit erheblicher urbaner Dichte. Mehr dazu auf infrastruktur.oebb.at.

Linz Hauptbahnhof im internationalen Vergleich

Im europäischen Vergleich gehört der Linz Hauptbahnhof zu den am besten bewerteten Mittelstadt-Bahnhöfen:

  • Qualitativ vergleichbar mit Basel SBB, Hannover Hauptbahnhof, Amsterdam Centraal (in der Nutzer-Qualitäts-Wahrnehmung, wenn auch kleiner dimensioniert)
  • Deutlich besser bewertet als viele italienische, französische oder osteuropäische Vergleichsbahnhöfe
  • Kleiner als Wien Hauptbahnhof (2014 eröffnet), München Hauptbahnhof, Zürich Hauptbahnhof - funktional aber hochwertiger als viele größere Häuser

Für Linz-Besucher:innen ist der Hauptbahnhof oft der erste Linz-Eindruck - und er ist ein guter Eindruck. Die Stadt präsentiert sich über diesen Bau als modern, funktional, ästhetisch anspruchsvoll. Mehr zur Anreise nach Linz im Anreise-Artikel.

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