Geschichte der Stadt Linz: Vom römischen Lentia bis zur UNESCO City of Media Arts
Lentia als römisches Kastell im 1. Jahrhundert, erste urkundliche Erwähnung 799, Friedrich III. als Linzer Residenz 1489-1493, Renaissance mit Landhaus, Habsburger Verwaltungssitz, Industrialisierung, NS-Zeit, Stahlstadt, Kulturhauptstadt 2009, UNESCO City of Media Arts - 2.000 Jahre Linzer Geschichte kompakt.
Linz: 2.000 Jahre Geschichte in der Übersicht
Wir haben die Linzer Stadtgeschichte zusammengestellt - vom römischen Kastell Lentia im 1. Jahrhundert bis zur heutigen UNESCO City of Media Arts. Linz ist eine der ältesten durchgehend besiedelten österreichischen Städte, mit klaren Entwicklungs-Schichten von Römerzeit über Mittelalter, Habsburger Residenz, Industrialisierung und Stahlstadt bis zur Kultur- und Medienstadt des 21. Jahrhunderts. Du kennst eine historische Episode, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.
Lentia: Das römische Linz (1.-5. Jahrhundert)
Die Linzer Stadtgeschichte beginnt mit Lentia - einer keltisch-römischen Siedlung am Donauufer. Der Name leitet sich von der keltischen Wurzel „lentos = biegsam, gekrümmt" ab und verweist auf die Lage an einer Donau-Biegung. Die Römer errichteten gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. ein Kastell zum Schutz der Donau-Grenze als Teil des Limes-Systems der Provinz Noricum. Zwischen 125 und 150 n. Chr. wurde das Kastell durch ein rund 3 Hektar großes Steinkastell ersetzt - mit einer stationierten Reitertruppe von rund 500 Mann. Lentia existierte rund 500 Jahre durchgehend - trotz mehrerer germanischer Einfälle. In der Völkerwanderungszeit (4.-6. Jahrhundert) blieb die Siedlung als Oppidum bestehen und ging nahtlos in die frühmittelalterliche Siedlung über. Reste des römischen Lentia sind im Schlossmuseum Linz ausgestellt - mehr in unserem Galerien-Linz-Guide.
Frühmittelalter und erste Erwähnung: 799
Die erste urkundliche Erwähnung „Linz" stammt aus dem Jahr 799 - in einem Lehenrevers, das die Martinskirche im „locus Linze" mit dazugehörigem „castrum" (Burg) erwähnt. Die Martinskirche ist bis heute als Gebäude erhalten - die älteste Kirche Österreichs in ihrer ursprünglichen Struktur, mit karolingischen Fresken und Elementen aus dem 8. Jahrhundert. Sie steht am Römerberg am westlichen Rand des Linzer Schlossbergs. Im frühen und hohen Mittelalter wuchs Linz als Handelsplatz an der Donau und an der wichtigsten Nord-Süd-Route zwischen Böhmen und der Adria. Eine Stadt-Erhebung fand im Lauf des 13. Jahrhunderts statt.
Linz als Habsburger-Residenz: Friedrich III. (1489-1493)
Ein historisches Schlüssel-Kapitel: Kaiser Friedrich III. residierte von 1489 bis zu seinem Tod 1493 in Linz. Damit war Linz de facto Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation für vier Jahre. Friedrich III. starb in Linz am 19. August 1493 - sein Grab befindet sich allerdings in Wien im Stephansdom, nicht in Linz. Die Linzer Habsburger-Zeit brachte wichtige Bauprojekte: Ausbau des Linzer Schlosses, Stadterweiterungen. Bereits Ende des 13. Jahrhunderts war Linz mit dem Sitz des Hauptmanns ob der Enns zum Verwaltungsmittelpunkt des späteren Kronlandes Oberösterreich geworden - eine Position, die bis zum Ende der Monarchie 1918 bestand. Mehr in unseren Habsburger-Linz-Artikel und Landhaus-Renaissance-Artikel.
Renaissance und Landstände: 16.-17. Jahrhundert
Das Linzer Landhaus wurde zwischen 1568 und 1658 als Sitz der oberösterreichischen Landstände errichtet - mit dem berühmten Renaissance-Arkadenhof und dem Planetenbrunnen von 1582. Es war Repräsentation der protestantisch geprägten oberösterreichischen Landstände gegenüber den katholischen Habsburgern. Im 16. und frühen 17. Jahrhundert war Linz auch wissenschaftlich bedeutend: Johannes Kepler verbrachte von 1612 bis 1626 vierzehn Jahre in Linz und schrieb hier seine drei Planetengesetze (Harmonice Mundi, 1619) - mehr im Kepler-Linz-Artikel. Mit der Gegenreformation im 17. Jahrhundert verlor der protestantische Charakter der Stadt - Kepler selbst verließ Linz 1626, weil er sich weigerte, zum Katholizismus zu konvertieren. Mehr im Landhaus-Renaissance-Artikel.
Industrialisierung: 19. Jahrhundert
Linz wurde im 19. Jahrhundert zur Industriestadt. Wichtige Meilensteine: Pferdeeisenbahn Linz-Budweis (1832) als eine der ersten kontinentalen Eisenbahnen Europas, erweitert 1836 nach Gmunden. Dampfschifffahrt auf der Donau (1837/38). Industrialisierung in der zweiten Jahrhunderthälfte mit Werft, Lokomotivfabrik, Textilindustrie, Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Diese Industrie entwickelte sich außerhalb des historischen Stadtkerns, vor allem entlang der Donau und im Süden. Die Arbeiter-Wohnviertel Bindermichl-Keferfeld, Kleinmünchen-Auwiesen, Franckviertel entstanden in dieser Zeit. Linz verzehnfachte seine Bevölkerung zwischen 1800 und 1900. Mehr in unseren Alte-Linzer-Berufe-Artikel und Stadtteile-Übersicht.
NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg: 1938-1945
Mit dem Anschluss Österreichs 1938 wurde Linz zur „Patenstadt des Führers" erklärt - eine propagandistische Bezeichnung, die mit Hitlers früher Linzer Schulzeit begründet wurde. Es entstanden die Reichswerke Hermann Göring (1938, heute voestalpine) als Rüstungsindustrie unter Einsatz von Zwangsarbeit. Linz wurde im Zweiten Weltkrieg mehrfach alliierten Luftangriffen ausgesetzt - vor allem 1944-1945 mit mehreren schweren Bombardierungen der Industriegebiete, des Bahnhofs und von Wohnvierteln. Schätzungen sprechen von rund 1.000 Toten und der Zerstörung von circa 25 Prozent der Bausubstanz. Mehr in unserem Linz-im-Zweiten-Weltkrieg-Artikel. Nach Kriegsende Mai 1945 Befreiung durch US-Truppen - Linz wurde Teil der US-Zone in Österreich.
Wiederaufbau und Stahlstadt: 1945-1970
Die Nachkriegszeit brachte den Wiederaufbau der Industrie und der zerstörten Wohnviertel. Die voestalpine wurde verstaatlicht und entwickelte sich zu einem der wichtigsten österreichischen Industrie-Standorte. Linz wurde zur „Stahlstadt" - ein Selbstverständnis, das die Stadt-Identität von den 1950ern bis in die 1990er prägte. Die Linzer Wohnviertel wuchsen um die Arbeiter-Siedlungen, die Stadtstruktur erweiterte sich massiv. Der Linzer Marshallplan-Hilfe unterstützte den Wiederaufbau. Mehr im Linz-nach-1945-Artikel.
Kulturstadt-Wandel: 1970-heute
Seit den 1970er Jahren gelang Linz ein Image-Wandel von der Industrie- zur Kulturstadt. Meilensteine: Gründung des Brucknerfests (1974), Ars Electronica (1979), Stadtwerkstatt (1979), Posthof (1984), KAPU (1984), Linzer Klangwolke als Kulturjahr-Höhepunkt. Die wichtigste Bestätigung: Linz wurde 2009 gemeinsam mit Vilnius zur Kulturhauptstadt Europas - ein transformatives Ereignis, das die Stadt bis heute prägt. 2014 folgte die Auszeichnung als UNESCO City of Media Arts - als Anerkennung für die Ars-Electronica-Tradition, die Kunstuniversitäts-Medienkunst-Programme und den Mural Harbor. Mehr in unseren Musikszene-Artikel und Galerien-Guide.
Was Sie über die Linzer Geschichte wissen sollten
Linz als Drei-Epochen-Stadt
Die Linzer Geschichte lässt sich in drei klaren Epochen erzählen. Römisch-mittelalterliche Handels- und Residenzstadt (1.-17. Jahrhundert): Lentia, erste Erwähnung 799, Friedrich III., Renaissance-Landhaus, Kepler-Linzer-Jahre. Industrie- und Stahlstadt (19.-20. Jahrhundert): Pferdeeisenbahn, Dampfschifffahrt, voestalpine-Gründung, Arbeiterstadt. Kultur- und Medienstadt (ab 1970er): Brucknerfest, Ars Electronica, Kulturhauptstadt 2009, UNESCO City of Media Arts 2014. Diese drei Schichten sind in der heutigen Linzer Stadt-Identität gleichzeitig präsent - vom historischen Hauptplatz über die voestalpine-Silhouette bis zu den Medienkunst-Programmen.
Linzer Geschichts-Spuren heute
Wer die Linzer Geschichte erleben möchte, findet zahlreiche Spuren. Schlossmuseum Linz mit römischen Lentia-Funden und Gesamt-Überblick (größtes Universalmuseum Österreichs). Nordico Stadtmuseum mit Fokus auf Stadtgeschichte. Martinskirche (älteste Kirche Österreichs in ursprünglicher Struktur). Alter Dom am Pfarrplatz (Bruckner-Orgel). Landhaus mit Renaissance-Arkadenhof und Planetenbrunnen. Mariendom (1862-1924, größter Dom Österreichs). Tabakfabrik (Industrie-Umnutzung zum Kreativquartier). Mural Harbor (zeitgenössische Streetart-Kunst). Mit der Linz-Card (Tageskarte 18 Euro, 3-Tages-Ticket 30 Euro) kostenfreier Eintritt zu rund 20 Museen - mehr in unserem Gratis-Linz-Guide.
Linz-Geschichts-Spaziergang
Ein selbst geführter Geschichts-Spaziergang durch Linz umfasst in 3-4 Stunden die wichtigsten Stationen. Start Hauptplatz mit Dreifaltigkeitssäule (1723). Landhaus mit Arkadenhof und Planetenbrunnen. Pfarrplatz mit Altem Dom (Bruckner-Wirkungsstätte). Landstraße als klassische Handelsstraße. Schlossberg mit Linzer Schloss und Aussichtsterrasse. Martinskirche (älteste Kirche). Donaulände mit Lentos, Brucknerhaus, Ars Electronica Center - die zeitgenössische Kultur-Achse. Tabakfabrik als Industrie-Umnutzungs-Beispiel. Mehr im Gratis-Linz-Guide.
Linzer Stadtarchiv und Geschichts-Quellen
Das Stadtarchiv Linz ist die zentrale Anlaufstelle für Geschichts-Interessierte und Forschende. Im Online-Portal stadtgeschichte.linz.at finden sich Zeittafeln, thematische Beiträge, Bild-Datenbanken und wissenschaftliche Aufsätze zur Linzer Stadtgeschichte. Für Personen, die einen tieferen Einstieg suchen: Linzwiki (linzwiki.at) mit detaillierten Einträgen zu Linzer Straßen, Gebäuden, Personen und Ereignissen. Die OÖ Landesbibliothek am Schillerplatz 2 (mehr im Bibliotheken-Linz-Guide) beherbergt wichtige Geschichts-Sammlungen zur oberösterreichischen und Linzer Geschichte.