LINZ JOURNAL

Das Linzer Landhaus: Renaissance-Architektur und Sitz des Landtags

Das Linzer Landhaus wurde 1568-1658 als Sitz der oberösterreichischen Landstände erbaut, mit dem 1565 fertiggestellten Renaissance-Nordportal aus rotem Marmor und dem Planetenbrunnen von 1582 (Jupiter als Spitzenfigur) im Arkadenhof. Heute Sitz des Oberösterreichischen Landtags.

· 9 Min. Lesezeit · Von
Das Linzer Landhaus: Renaissance-Architektur und Sitz des Landtags

Das Linzer Landhaus: Renaissance-Symbol

Das Linzer Landhaus ist eines der bedeutendsten Renaissance-Bauwerke Österreichs - errichtet zwischen 1568 und 1658 als Sitz der oberösterreichischen Landstände, heute als Sitz des Oberösterreichischen Landtags. Im Linzer Stadtbild ist es zentrales Element der Altstadt - mit dem berühmten Renaissance-Arkadenhof und dem Planetenbrunnen als Hauptattraktionen. Du kennst eine historische Episode, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.

Bauphasen 1568-1658: 90 Jahre Bauzeit

Das Bauareal des heutigen Landhauses wurde 1563 von den oberösterreichischen Landständen erworben - mit dem Großteil eines ursprünglichen Minoritenklosters, das demoliert wurde. Die mehrjährige Bauzeit umfasste mehrere Phasen:

  • 1568-1583: Hauptbauphase mit dem Arkadenhof, dem Nordportal und den Hauptgebäudeteilen.
  • 1582: Aufstellung des Planetenbrunnens als zentrales Hofelement.
  • 1610-1658: Erweiterungen, Anbauten, weitere architektonische Verfeinerungen.

Architekten und Baumeister: Christoph Canevale, Hans Canaval, Steinmetze Caspar Toretto und Peter Guet. Die Bauzeit von rund 90 Jahren spiegelt die Bedeutung des Bauwerks für die oberösterreichischen Landstände - das Landhaus war Verwaltungssitz, Versammlungs-Ort und Repräsentations-Architektur in einem.

Das Nordportal: Renaissance-Höhepunkt aus rotem Marmor

Das Nordportal des Landhauses wurde 1565/1566 fertiggestellt und gilt als eines der bedeutendsten Renaissance-Portale Österreichs. Material: roter Marmor mit teilweiser Bemalung. Stilistische Bedeutung: das Portal kombiniert italienische Renaissance-Vorbilder mit oberösterreichischen Steinmetz-Traditionen - ein typisches Beispiel der mitteleuropäischen Adaption italienischer Renaissance-Formen. Das Portal markiert den Hauptzugang vom Klosterstraßen-Bereich in den Innenhof. Für Architektur-Interessierte ist das Portal mit seinen Säulen, dem Wappenschmuck und der Ornamentik eine der wichtigsten Linzer Renaissance-Sehenswürdigkeiten.

Der Arkadenhof: Eines der schönsten Österreichs

Der Renaissance-Arkadenhof des Landhauses gilt als einer der schönsten in Österreich - eine dreigeschossige Arkadenstruktur mit Säulen, Bögen und feinen architektonischen Details. Im Sommer mit Blumendekorationen geschmückt, im Winter geöffnet, aber ohne Bepflanzung. Der Arkadenhof ist kostenfrei zugänglich während der regulären Öffnungszeiten des Landhauses und ist eine der Linzer Top-Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt - oft auf Stadt-Postkarten und in Reiseführern abgebildet. Der Hof dient bei festlichen Anlässen als Open-Air-Veranstaltungsort - Konzerte, Empfänge, Hochzeiten.

Der Planetenbrunnen: 1582 mit Jupiter als Spitzenfigur

Der Planetenbrunnen wurde 1582 vom Steinmetz Peter Guet aus Peubach geschaffen und ist das künstlerische Zentrum des Landhauses-Innenhofs. Aufbau: Bronze-Superstruktur mit sechs personifizierten Planeten:

  • Luna (Mond)
  • Merkur
  • Venus
  • Sol (Sonne)
  • Mars
  • Saturn

Als Spitzenfigur thront Jupiter als oberster Gott der römischen Mythologie. Die Planetendarstellung folgt der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Astronomie mit sieben Himmelskörpern - vor der Etablierung des heliozentrischen Weltbilds (Kopernikus, später Kepler). Spannende historische Pointe: Der Brunnen entstand 30 Jahre vor der Ankunft des Astronomen Johannes Kepler in Linz (1612), der dann das geozentrische Weltbild durch seine drei Planetengesetze ablöste. Mehr im Kepler-Linz-Artikel.

Sitz der oberösterreichischen Landstände

Das Linzer Landhaus war Sitz der oberösterreichischen Landstände seit seiner Errichtung im 16. Jahrhundert. Die Landstände waren die regionale Vertretung der Stände (Adel, Bürger, Klerus, Bauern) gegenüber dem Habsburger Landesfürsten - ein Prä-Demokratie-Vertretungsmodell mit eingeschränkten Rechten. Hier tagten die Landstände, hier fanden Verhandlungen mit dem Landesfürsten statt, hier wurden die regionalen Steuern beschlossen. Mit den Habsburger Reformen und der gegenreformatorischen Politik im 17. Jahrhundert verlor die Landstände-Vertretung an Macht - das Landhaus blieb aber als Verwaltungssitz erhalten.

Sitz des Oberösterreichischen Landtags seit 1861

Mit der österreichischen Verfassungsentwicklung erhielt Oberösterreich 1861 erstmals einen direkt gewählten Landtag. Seitdem ist das Linzer Landhaus kontinuierlich Sitz des Oberösterreichischen Landtags. Die Landtagssitzungen finden im historischen Sitzungssaal statt. Die Landtagsabgeordneten und die Landesregierung haben hier ihre Büros. Während offizieller Landtagstage ist der Zugang teilweise eingeschränkt, an anderen Tagen sind der Arkadenhof und die öffentlichen Bereiche zugänglich. Über die Landtags-Website können auch Führungen gebucht werden.

Was Sie über das Linzer Landhaus wissen sollten

Besichtigung und Öffnungszeiten

Das Linzer Landhaus ist während der regulären Öffnungszeiten teilweise zugänglich - der Arkadenhof und der Planetenbrunnen sind kostenfrei besuchbar. Die Innenräume mit Sitzungssaal sind während Landtagstagen oft eingeschränkt zugänglich. Geführte Führungen über die Landtags-Website buchbar - typischerweise 60-90 Minuten Dauer, kostenfrei oder gegen kleine Gebühr. Mehr über das Landhaus auch im Linz-Tourismus-Portal.

Anreise und Lage

Das Linzer Landhaus liegt in der Klosterstraße / Promenade in der Linzer Innenstadt - Fußweg vom Hauptplatz in 5 Minuten. Anreise: Linien 1, 2, 3, 4 bis Mozartkreuzung oder Hauptplatz, dann Fußweg. Mit dem Auto über die Innenstadt-Achsen, Park-Möglichkeiten in den Parkhäusern Hauptplatz oder Promenade (mehr im Parken-Linz-Guide). Für Touristen mit Linz-Card: kostenfreier Zugang zum Arkadenhof inkludiert. Eine der Linzer Top-Sehenswürdigkeiten, die in jeder Stadttour vorkommen sollte.

Renaissance in Linz: Stadt-Architektur

Das Landhaus ist nicht das einzige Linzer Renaissance-Element. Die Linzer Altstadt umfasst weitere Bauten aus der Renaissance-Zeit - mehrere Bürgerhäuser am Hauptplatz, das Linzer Schloss mit Renaissance-Elementen, einzelne Kirchen und Plätze. Mehr in unserem Gratis-Linz-Stadttour-Guide mit Stadt-Spaziergang. Die Linzer Renaissance-Architektur ist im österreichischen Vergleich gut erhalten - die Altstadt war im Zweiten Weltkrieg weniger betroffen als manche andere österreichische Innenstädte (mehr in unserem zukünftigen Geschichts-Artikel).

Der Planetenbrunnen als Linzer Symbol

Der Planetenbrunnen mit Jupiter und den sechs Planeten ist eines der bekanntesten Linzer Symbole. Der Bezug zur Astronomie - mit dem 30 Jahre später eintreffenden Johannes Kepler - macht den Brunnen zur Art Linzer Wissenschafts-Vorboten. Reproduktionen finden sich auf Linz-Postkarten, Tourismus-Materialien und Magnet-Souvenirs. Die Restaurierung der Bronze-Skulpturen erfolgte mehrfach im Lauf der Jahrhunderte, zuletzt im späten 20. Jahrhundert. Heute steht der Planetenbrunnen unter Denkmalschutz und ist eines der wertvollsten Linzer Renaissance-Kunstwerke. Für Linz-Besucher mit Interesse an Renaissance-Kunst eine der Top-Stationen.

Mehr aus Geschichte
Die Habsburger in Linz: 460 Jahre Dynastie-Geschichte
Geschichte · · 10 Min.

460 Jahre habsburgische Herrschaft über Linz - von 1458 bis 1918: der Aufstieg zur Kaiserresidenz unter Friedrich III., die Landstände-Politik, die Rekatholisierung und der Bauernkrieg 1626, die Dreifaltigkeitssäule Karls VI. (1723), die Reformen Josephs II., die Industrialisierung unter Franz Joseph - wie die Habsburger-Jahrhunderte die Linzer Stadt-Identität formten.