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Linzer Torte: Das älteste bekannte Tortenrezept der Welt

Die Linzer Torte ist mit einem Rezept von 1653 das älteste namentlich überlieferte Tortenrezept der Welt. Das Rezept findet sich im Kochbuch der Gräfin Anna Margarita Sagramosa und wird heute im Stiftsarchiv Admont aufbewahrt. Linzer Teig mit Haselnüssen, Zimt, Ribiselmarmelade und dem charakteristischen Gitter. Hauptproduzent: Konditorei Jindrak seit 1929 in der Herrenstraße 22, rund 130.000 Stück werden jährlich verschickt - bis zum Papst und an die Polarstationen.

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Linzer Torte: Das älteste bekannte Tortenrezept der Welt

Linzer Torte: Ältestes Tortenrezept der Welt

Wir haben die Linzer Torte zusammengestellt - das älteste namentlich überlieferte Tortenrezept der Welt, dokumentiert seit 1653 im Kochbuch der Gräfin Anna Margarita Sagramosa aus Verona. Kein anderes Gebäck der Welt hat eine derart durchgehende über 370-jährige Rezept-Tradition. Die Linzer Torte ist ein Mürbeteig-Kuchen mit Haselnüssen, Zimt, Nelken und Ribiselmarmelade (Johannisbeere), gekrönt von einem charakteristischen Gitter-Muster. Heute ist die Konditorei Jindrak in der Herrenstraße der bekannteste Produzent - seit 1929 in Familienbesitz, 130.000 Stück jährlich werden weltweit verschickt. Du kennst eine Linzer-Torte-Geschichte, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.

Die Entdeckung 2005: Gräfin Sagramosa und das Rezept von 1653

Das älteste bekannte Linzer-Torte-Rezept wurde 2005 von Waltraut Faißner, der Leiterin der Bibliotheken der oberösterreichischen Landesmuseen, wiederentdeckt. Es stammt aus dem handschriftlichen Kochbuch der Gräfin Anna Margarita Sagramosa aus Verona, datiert 1653. Der vollständige Buchtitel: „Buech von allerley Eingemachten Sachen, also Zuggerwerckh, Gewürtz, Khütten und sonsten allerhand Obst wie auch andere guett und nützlich Ding etc." Das Buch enthält vier Rezepte mit „Linz" im Titel, darunter mehrere Torten-Varianten. Das Original wird heute im Stiftsarchiv Admont als Codex 35/31 aufbewahrt. Vor dieser Entdeckung galt ein Rezept von 1696 aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek als das älteste - dieses wird nun um 43 Jahre übertroffen. Für die Linzer Kulinarik-Geschichte ist das Rezept ein zentrales Identitätsstück. Mehr in unserem Linz-Geschichte-Überblick.

Wie der Name entstand: „Linz" im Rezepttitel

Der Name Linzer Torte bezieht sich auf die Linzer Küche des 17. Jahrhunderts, in der die Torte entwickelt wurde. Linz war damals eine bedeutende Handelsstadt an der Donau, an wichtigen Handelsrouten zwischen Deutschland, Österreich, Ungarn und Italien gelegen. Venezianische und italienische Einflüsse waren in der Linzer Küche präsent - was erklärt, warum das älteste Rezept von einer italienischen Gräfin stammt, die Kontakte zu Linz hatte. Die Torte verbreitete sich von Linz ausgehend über Wien in die gesamte Monarchie. Bis ins 20. Jahrhundert entwickelte sie sich zur österreichischen Identitätsmarke - ähnlich wie Sachertorte, Mozartkugel oder Apfelstrudel.

Was macht eine echte Linzer Torte aus?

Eine klassische Linzer Torte besteht aus:

  • Linzer Teig - Mürbeteig aus Butter, Zucker, Eiern, Mehl, geriebenen Haselnüssen oder Mandeln, Zimt und oft kleinen Mengen von Nelken, Kardamom, Zitronenabrieb
  • Ribiselmarmelade - die klassische Variante verwendet Johannisbeer-Marmelade (Ribisel), gelegentlich auch Himbeer- oder Marillenmarmelade
  • Gitter-Muster - das Alleinstellungsmerkmal der Linzer Torte: ein rautenförmiges Gitter aus Teigstreifen, das die Marmelade abdeckt
  • Eierstreich - vor dem Backen wird das Gitter mit Eigelb bestrichen, damit es goldbraun wird
  • Optional: gehobelte Mandeln am Rand der Torte

Der Teig wird in einer runden Form (26-28 cm Durchmesser) gebacken, oder in Rechteckform („Linzer Auge" als kleine Variante). Die Backzeit beträgt rund 35-45 Minuten bei 180-200°C. Die Torte muss mindestens einen Tag ruhen, damit der Teig die Marmelade durchdringen kann - frisch aus dem Ofen ist sie noch nicht perfekt. Die Linzer Torte ist wochenlang haltbar, was sie zum idealen Geschenk macht und einen der Gründe für ihre weltweite Verbreitung.

Konditorei Jindrak: Die Linzer-Torte-Institution

Die Konditorei Jindrak ist seit 1929 die wichtigste Adresse für Linzer Torten. Leo Jindrak I. gründete das Stammhaus in der Herrenstraße 22 - heute noch der Hauptstandort. Nach fast 100 Jahren ist Jindrak fest in Familienhand und hat sich zum weltweit größten Hersteller der Original-Linzer-Torte entwickelt. Die Zahlen sind beeindruckend:

  • Über 130.000 Linzer Torten jährlich
  • Versand weltweit - von Nordpol bis Südpol
  • Täglich frisch gebacken, nicht tiefgefroren
  • Der Papst erhält jährlich eine Original-Linzer-Torte
  • Neun Jindrak-Filialen in und um Linz

Die Zutaten stammen überwiegend aus Oberösterreich - Butter aus Molkereien der Region, Haselnüsse, regional produzierte Ribiselmarmelade. Preise (Stand April 2026): Kleine Jindrak-Torte (16 cm) ab 14,90 Euro, normale Größe (22 cm) ab 24,90 Euro, in der Versanddose ab 29,90 Euro plus Versand. Einzelstücke im Café ab 4,50 Euro. Das Stammhaus Herrenstraße hat neben dem Verkauf ein traditionelles Café mit Sitzbereich. Adresse: Herrenstraße 22, 4020 Linz. Mehr auf linzertorte.at.

Was Sie über die Linzer Torte wissen sollten

Jindrak-Filialen in Linz

Die neun Jindrak-Filialen decken das Linzer Stadtgebiet und umliegende Orte ab:

  • Stammhaus Herrenstraße 22 - Hauptstandort, Café und Verkauf
  • Landstraße - in der Haupteinkaufsstraße
  • Urfahr - linkes Donauufer
  • Südbahnhofmarkt - bei der Markthalle
  • Pöstlingberg - am Linzer Hausberg, populär bei Ausflügler:innen
  • Weitere Filialen in Linz und Umgebung

Die Öffnungszeiten Herrenstraße: Montag bis Samstag 8:30-18:00 Uhr, Sonn- und Feiertage 9:00-18:00 Uhr (Café-Bereich 10:00-17:00 Uhr). Alle Filialen-Adressen und aktuelle Öffnungszeiten auf linzertorte.at/shops.

Alternative Linzer-Torte-Adressen

Neben Jindrak bieten weitere Linzer Konditoreien ihre eigenen Varianten an. Konditorei Leo (ebenfalls alteingesessen), Bäckerei-Konditorei Rathmayr, Konditorei Fruth und einige kleinere Bäckereien in den Stadtteilen. Mehr Linzer Konditoreien im Kuchen- und Konditoreien-Artikel. Für Puristen ist die Jindrak-Torte der Referenz-Standard, für Vielfalt und regionale Unterschiede lohnt sich der Vergleich mit den weiteren Anbietern. Supermarkt-Varianten (Spar, Billa, etc.) sind verfügbar, aber qualitativ nicht vergleichbar mit den Konditorei-Torten - oft industriell gefertigt und mit längerer Haltbarkeit, aber weniger Buttergehalt und geringerer Nussqualität.

Linzer Torte selber backen: Das klassische Rezept

Für eine Torte von 26 cm Durchmesser ungefähr:

  • 280 g Mehl
  • 180 g Butter (zimmerwarm)
  • 180 g Zucker
  • 180 g geriebene Haselnüsse (ungeröstet)
  • 1 ganzes Ei plus 1 Eigelb
  • 1 TL Zimt
  • Eine Prise Nelken
  • Abrieb einer halben Zitrone
  • 300-400 g Ribiselmarmelade
  • 1 Eigelb zum Bestreichen

Zubereitung: Alle Zutaten für den Teig zu einem Mürbeteig verkneten, mindestens 2 Stunden kalt stellen. Zwei Drittel des Teigs in die Form drücken, Rand hochziehen, Marmelade einfüllen. Rest des Teigs ausrollen, in Streifen schneiden, Gitter auflegen. Mit Eigelb bestreichen, bei 180°C rund 40 Minuten backen. Einen Tag ruhen lassen. Authentische Linzer Konditoren verwenden oft hauchdünne Teigstreifen, die sich nach dem Backen leicht wölben und der Torte ihr charakteristisches Aussehen geben.

Linzer Torte international: Geschenk mit Linz-Identität

Die Linzer Torte ist einer der besten Kulinarik-Botschafter Österreichs. Die wochenlange Haltbarkeit macht sie ideal als Reise-Souvenir. Jindrak versendet weltweit - selbst an die Polarstation und Südpolarforschungsstationen, an das Internationale Raumfahrtzentrum Houston, an Botschaften und Firmen auf allen Kontinenten. Die Geschenkverpackungen (Holzkiste, Metalldose mit Linzer Stadtbild, Geschenkkarton) sind selbst Sammlerstücke. Für Linz-Besucher:innen als Mitbringsel ist die Jindrak-Torte der sichere Griff - sie vereint Regionalität, Geschichte und Kulinarik-Qualität in einem Geschenk.

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