Franz Stelzhamer: Der oberösterreichische Mundartdichter und Linz-Bezug
Franz Stelzhamer (1802-1874) ist der bedeutendste oberösterreichische Mundartdichter, Textdichter der Landeshymne 's Hoamatgsang (seit 1952 offizielle OÖ-Landeshymne) und prägte als Wanderschriftsteller und Journalist die österreichische Dialektliteratur. Sein Werk ist im Linzer StifterHaus und im Adalbert-Stifter-Institut dokumentiert.
Franz Stelzhamer: Der Mundartdichter Oberösterreichs
Wir haben Franz Stelzhamer (1802-1874) zusammengestellt - den bedeutendsten oberösterreichischen Mundartdichter des 19. Jahrhunderts. Obwohl Stelzhamer nicht in Linz geboren wurde und dauerhaft hier lebte, prägte er die oberösterreichische Literatur-Identität nachhaltig - sein „Hoamatgsang" ist seit 1952 die offizielle Landeshymne Oberösterreichs. Du kennst eine Stelzhamer-Quelle, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.
Stelzhamers Biografie: Vom Kleinbauern-Sohn zum Mundart-Dichter
Franz Stelzhamer wurde am 29. November 1802 in Großpiesenham (bei Ried im Innkreis) geboren - als Sohn eines Kleinbauern. Bildungsgang: Akademisches Gymnasium in Salzburg, dann Studium der Rechtswissenschaften in Graz und Wien. Stelzhamer brach das Studium ohne Abschluss ab. Bis 1824 führte er ein unstetes Wanderleben als Schauspieler, Vortragskünstler und Schriftsteller - mit Auftritten in österreichischen Theatern, bei Lesungen und in literarischen Zirkeln. Die oberösterreichische Landes-Identität wurde sein Lebensthema - er sammelte Volkslieder, erforschte den Mundart-Sprachgebrauch und entwickelte eine eigene Dichtung in der obderenns'schen Volksmundart (wörtlich: „oberhalb der Enns", also nördlich der Enns gelegen - der historische Name für Oberösterreich).
Der Durchbruch: 1837 mit Mundart-Liedern
1837 erlebte Stelzhamer seinen literarischen Durchbruch mit der Sammlung „Lieder in obderenns'scher Volksmundart". Das Werk machte ihn zur damals bekanntesten österreichischen Mundart-Stimme. 1841 folgte der zweite Band „Neue Gesänge in obderenns'scher Volksmundart" - darin enthalten war die Urfassung des später berühmten „'s Hoamatgsang". Dieses Werk wurde 1952 zur offiziellen Landeshymne Oberösterreichs. Der Text lautet (in oberösterreichischer Mundart): „Hoch vom Dachstein an, wo der Aar noch haust, / bis zum Böhmerwald, wo die Stämme rauschen..." - eine Naturbeschreibung Oberösterreichs mit regionalen Identifikations-Motiven. Die Melodie stammt nicht von Stelzhamer selbst, sondern wurde später zu seinen Versen komponiert.
Journalismus und spätere Jahre
Neben der Mundart-Dichtung war Stelzhamer auch als Journalist tätig - bis 1842 in Wien, später in Oberösterreich, Salzburg und anderen Regionen des Deutschen Bundes. Die Existenz als freier Schriftsteller war finanziell oft prekär. Ab den späten 1840er Jahren bekam Stelzhamer einen Ehrensold des Landes Oberösterreich - eine Art Ehrenrente, die ihm ein gesichertes Leben ermöglichte. Er ließ sich in Henndorf am Wallersee (Salzburg-Flachgau) nieder, wo er am 14. Juli 1874 starb. Die oberösterreichische Kulturpolitik förderte Stelzhamer zu seinen Lebzeiten stark - eine seltene Konstellation für 19.-Jahrhundert-Schriftsteller, die oft erst posthum anerkannt wurden.
Die Linzer Bezüge: StifterHaus und Adalbert-Stifter-Institut
Obwohl Stelzhamer nicht dauerhaft in Linz lebte, hatte er über die gesamte Karriere hinweg enge Linzer Bezüge. Linz war für ihn:
- Kultur-Zentrum Oberösterreichs - mit Verlagen, Zeitungen, literarischen Zirkeln
- Auftritts-Ort für Lesungen und Vortragsveranstaltungen
- Kontakt-Netz mit anderen oberösterreichischen Intellektuellen, darunter Adalbert Stifter, der in Linz wirkte (mehr im Stifter-Linz-Artikel)
- Residenz des Landeshauptmanns und der Landesverwaltung, die seinen Ehrensold verwaltete
Heute ist Stelzhamers Werk im StifterHaus an der Unteren Donaulände 6 dokumentiert - im Rahmen des Adalbert-Stifter-Instituts des Landes Oberösterreich, das sich neben Stifter auch mit weiteren oberösterreichischen Literatur-Persönlichkeiten beschäftigt. Mehr im StifterHaus-Artikel. Regelmäßige Lesungen, Ausstellungen und wissenschaftliche Publikationen würdigen Stelzhamers Werk.
Das Hoamatgsang als offizielle OÖ-Landeshymne
Die wichtigste nachhaltige Wirkung Stelzhamers: das „Hoamatgsang" als offizielle Landeshymne Oberösterreichs seit 1952. Die Hymne wird bei offiziellen Landesveranstaltungen gespielt und gesungen - am Oberösterreichischen Landtag, bei Landesfeiern, bei Landeshauptmann-Angelobungen. Der Text in oberösterreichischer Mundart verortet Oberösterreich geografisch und kulturell - zwischen Dachstein im Süden und Böhmerwald im Norden, mit den Flüssen Donau, Traun, Enns, Mühlviertler Grenzflüssen. Für Oberösterreicher:innen ist das Hoamatgsang eine zentrale Identifikations-Melodie. Bei Sportveranstaltungen (LASK, Blau-Weiß Linz, Black Wings Linz) wird die Hymne regelmäßig gesungen. Der vollständige Text und die Melodie sind auf land-oberoesterreich.gv.at verfügbar.
Stelzhamer-Denkmäler und Gedenkstätten
Mehrere oberösterreichische Orte ehren Stelzhamer. Stelzhamerplatz in Linz mit Denkmal. Stelzhamermuseum in Großpiesenham (Geburtsort). Stelzhamerhaus in Henndorf am Wallersee (Sterbeort). Stelzhamerstraßen in zahlreichen oberösterreichischen Städten. Für Stelzhamer-Interessierte eine gut ausgebaute Erinnerungs-Landschaft. Die wichtigste Linzer Anlaufstelle ist das StifterHaus an der Donaulände, dazu der Stelzhamerplatz mit Denkmal. Die Hoamat.OOE-Plattform (hoamat-ooe.at) ist ein zeitgenössisches Projekt zur oberösterreichischen Mundart-Kultur mit Stelzhamer-Bezug.
Was Sie über Franz Stelzhamer wissen sollten
Linzer Literaturtradition
Die Linzer Literaturtradition ist weniger prominent als die Wiener (Grillparzer, Nestroy, Hofmannsthal, Schnitzler) oder die Salzburger (Trakl), aber eigenständig und bedeutsam. Die Linzer Hauptachse umfasst Adalbert Stifter (mehr im Stifter-Artikel) als Haupt-Prosa-Autor, Franz Stelzhamer als Mundart-Lyriker, Friedrich Achleitner (Wiener Gruppe, aber mit OÖ-Bezug), Heimito von Doderer (Wiener mit Mutter aus Linz) und zeitgenössische Autor:innen, die im StifterHaus regelmäßig lesen. Mehr zur Linzer Kunstszene im Galerien-Linz-Guide.
Mundartliteratur-Renaissance
Die oberösterreichische Mundartdichtung erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Moderne Mundart-Autor:innen wie Hans Kumpfmüller, Ernst Grein, Wolfgang Kauer stehen in der Tradition Stelzhamers. Das Adalbert-Stifter-Institut und die Österreichische Dialektplattform (franzstelzhamer.at) fördern die Mundart-Literatur mit Veranstaltungen, Publikationen und Nachwuchsprogrammen. Für Linzer mit Interesse an der oberösterreichischen Sprach- und Literatur-Identität ein lebendiges Feld.
Stelzhamer-Anlaufstellen in Linz
Für Linz-Besucher:innen mit Stelzhamer-Interesse. StifterHaus an der Unteren Donaulände 6 - Dauerausstellung und Archiv. Stelzhamerplatz in der Linzer Innenstadt - mit Stelzhamer-Denkmal. OÖ Landesbibliothek am Schillerplatz 2 - mit Stelzhamer-Originalausgaben und wissenschaftlicher Literatur (mehr im Bibliotheken-Linz-Guide). Adalbert-Stifter-Institut mit regelmäßigen Lesungen zur Mundart-Literatur. Mehr im StifterHaus-Artikel.
Ried im Innkreis und die Erinnerungs-Orte
Für Stelzhamer-Besuche empfehlen sich auch Ausflüge außerhalb Linz. Großpiesenham (bei Ried im Innkreis) - Geburtsort mit Gedenkstätte, rund 80 km südwestlich Linz, per Auto in 90 Minuten erreichbar. Henndorf am Wallersee (Salzburg-Flachgau) - Sterbeort mit Stelzhamerhaus, rund 130 km südlich Linz. Ried im Innkreis selbst hat eine Stelzhamer-Gasse und einen Gedenkstein. Für eine komplette Stelzhamer-Tour empfehlen wir eine 2-3-Tages-Rundreise durch Oberösterreich und Salzburg-Flachgau. Mehr Informationen zur oberösterreichischen Literatur-Landschaft auf hoamat-ooe.at.