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Nordico Stadtmuseum Linz: Die Stadtgeschichte im Jesuitenhaus

Das Nordico Stadtmuseum Linz am Simon-Wiesenthal-Platz beherbergt in einem 1607-1610 erbauten historischen Gebäude die Linzer Stadtgeschichts-Sammlung mit rund 120.000 Objekten. Der Name Nordico verweist auf die Jesuiten-Nutzung als Internat für skandinavische Schüler im 18. Jahrhundert. Stadtmuseum seit 1973 mit regelmäßigen Sonderausstellungen zur Linzer Identität.

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Nordico Stadtmuseum Linz: Die Stadtgeschichte im Jesuitenhaus

Das Nordico: Linz' Stadtmuseum

Wir haben das Nordico Stadtmuseum zusammengestellt - die wichtigste Linzer Stadtgeschichts-Einrichtung. Das Museum am Simon-Wiesenthal-Platz 1 zeigt die Geschichte, Identität und Kultur der Stadt Linz in einem historischen Gebäude, das selbst Teil der Stadt-Chronik ist. Du kennst eine Nordico-Ausstellung, die hier fehlt? Schreib an redaktion@linzjournal.at.

Das Gebäude: 1607-1610 als Kremsmünsterer Palais

Das heutige Nordico-Gebäude wurde zwischen 1607 und 1610 vom italienischen Architekten Francesco Silva als Vorstadt-Palais und Wirtschaftsgebäude des Stiftes Kremsmünster errichtet. Die barocke Architektur mit Arkaden im Innenhof und repräsentativen Fassaden ist typisch für die oberösterreichischen Klöster-Bauten der Zeit. Das Gebäude diente Kremsmünster als Absteige für Mönche und als Wirtschafts-Haus. Die Architektur des Hauses spiegelt die barocke italienische Formensprache - Francesco Silva war einer der vielen italienischen Architekten, die im 17. Jahrhundert in Oberösterreich tätig waren. Das Haus war zu seiner Errichtungszeit am Stadtrand gelegen - die Linzer Stadterweiterung hat es heute ins Zentrum gebracht.

Der Name Nordico: Jesuiten-Internat 1708-1786

Der ungewöhnliche Name „Nordico" hat eine historische Erklärung. Von 1708 bis 1786 besaßen die Jesuiten das Haus und nutzten es als Internat (Convictum) für Schüler aus Skandinavien - daher „Nordico" (lateinisch „der Nordische"). Die skandinavischen Schüler kamen überwiegend aus Dänemark, Schweden und Norwegen, um am Linzer Jesuitenkolleg klassische Bildung zu erhalten. Die Jesuiten-Nutzung endete 1786 mit der Aufhebung des Jesuiten-Ordens in Österreich durch Joseph II. Das Gebäude wechselte danach mehrfach die Besitzer und Nutzungen - bevor es schließlich zur Museums-Nutzung kam.

Stadtmuseum seit 1973

Die Museums-Nutzung begann mit den Renovierungs- und Umbauarbeiten 1959 bis 1973. Die erste Ausstellung - zu Linzer Stuckateuren - wurde 1973 eröffnet. Damit wurde das Nordico zum offiziellen Linzer Stadtmuseum. Träger: die Stadt Linz über die Kulturdirektion. Das Museum hat sich seit 1973 als zentrale Anlaufstelle für Linzer Stadtgeschichte etabliert - mit regelmäßigen Dauerausstellungen, Sonderausstellungen und wissenschaftlichen Publikationen. Im Jahresvergleich hat das Nordico rund 40.000-80.000 Besucher:innen (je nach Ausstellungs-Programm).

Die Sammlung: 120.000 Objekte Linzer Geschichte

Das Nordico verfügt über eine umfassende Sammlung von rund 120.000 Objekten zur Linzer Stadtgeschichte. Schwerpunkte:

  • Archäologische Funde aus dem römischen Lentia (mehr im Geschichts-Überblick)
  • Mittelalterliche und frühneuzeitliche Objekte aus Linzer Kirchen, Zunfthäusern, Bürgerhaushalten
  • Urkunden und Dokumente zur Linzer Stadt-Verwaltung
  • Industrialisierungs-Objekte mit Bezug zur voestalpine, Tabakfabrik, weiteren Linzer Betrieben
  • Alltagskultur mit Möbeln, Geschirr, Kleidung, Fotografien
  • Künstler:innen-Nachlässe und weitere Linzer Persönlichkeits-Bestände
  • Zeitgenössische Sammlungen mit Fokus auf Linzer Gegenwartskultur

Die Sammlung wird kontinuierlich ergänzt - vor allem durch Schenkungen Linzer Familien und Institutionen.

Wechselausstellungen: Das Programm-Herz

Das Nordico setzt stärker auf Wechselausstellungen als auf eine große Dauerausstellung. Jährlich werden rund 4-6 Sonderausstellungen gezeigt - jeweils mehrere Monate laufend. Beispiele für Linzer Nordico-Ausstellungen der jüngeren Vergangenheit:

  • „Sehnsucht Frieden. 80 Jahre Kriegsende in Linz - 1945/2025" - Gedenkausstellung zum Kriegsende (mehr in unserem Linz-im-Zweiten-Weltkrieg-Artikel)
  • „Made in Linz. Standort für Handel, Industrie und Handwerk" - Wirtschafts- und Industriegeschichte
  • Ausstellungen zu einzelnen Linzer Persönlichkeiten (Mundartdichter:innen, Künstler:innen, Politiker:innen)
  • Kulturhauptstadt-Linz09-Nachwirkungs-Ausstellungen
  • Stadtteil-Ausstellungen mit Fokus auf einzelne Linzer Bezirke

Die Wechselausstellungen machen das Nordico zu einem lebendigen Ort der Stadtgeschichts-Vermittlung - nicht zu einem statischen Museum.

Simon-Wiesenthal-Platz: Der Vorplatz

Der Nordico-Vorplatz ist nach dem österreichisch-jüdischen Holocaust-Überlebenden und NS-Verfolger Simon Wiesenthal benannt - eine bewusste Geste der Erinnerungskultur. Der Platz wurde mehrfach umgestaltet. Die ursprüngliche Gestaltung als barrierefreier Betonplatz wurde als „Betonwüste" kritisiert. Eine spätere Umgestaltung mit Platanen, Blumenbeeten und Sitzgelegenheiten machte den Platz zu einer Art „Innen-Stadt-Klimaoase" und verbesserte die Aufenthaltsqualität. Der Simon-Wiesenthal-Platz ist heute ein lebendiger Innenstadt-Platz mit Museums-Besucher:innen, Spaziergänger:innen und Bewohnern der umliegenden Stadtviertel.

Öffnungszeiten und Eintritt

Das Nordico Stadtmuseum ist typischerweise Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr geöffnet, Montag Ruhetag. Eintritt für Erwachsene rund 10 Euro, ermäßigt 7,50 Euro, Kinder bis 19 Jahre frei. An LINZ-AG-Sonntagen 1+1 gratis bei Öffi-Anreise (mehr im Sonntag-Linz-Guide). Mit der Linz-Card (18 Euro Tageskarte) kostenfreier Eintritt. Für Führungen: Voranmeldung empfohlen. Das Museum bietet Audio-Guides und Vermittlungs-Programme für Schulklassen.

Was Sie über das Nordico wissen sollten

Welche Ausstellung gerade läuft

Wer das Nordico besuchen möchte, sollte vorab die aktuelle Ausstellung prüfen - das Programm wechselt alle 3-6 Monate. Aktuelle Ausstellungen auf nordico.at. Wichtig: zwischen den großen Ausstellungs-Wechseln gibt es teilweise Schließzeiten für Umbau und Neugestaltung - die Website zeigt die aktuellen Öffnungsstatus. Sonderausstellungen sind oft die Hauptattraktion des Museums; die Dauer-Komponente ist kleiner als in klassischen Stadtmuseen.

Nordico vs. Schlossmuseum: Welches für was?

Linz hat zwei große Stadtgeschichts-Museen: das Nordico Stadtmuseum und das Schlossmuseum Linz (mehr in unserem Schloss-Artikel). Unterschiede:

  • Nordico: Fokus auf Stadtgeschichte Linz - kleineres Gebäude, Wechselausstellungs-Schwerpunkt, städtische Trägerschaft
  • Schlossmuseum: größtes Universalmuseum Österreichs (18.000 m²) mit oberösterreichischer Gesamt-Geschichte und -Natur - Landes-Trägerschaft

Wer sich speziell für Linz interessiert, findet im Nordico die passendere Anlaufstelle. Wer breitere oberösterreichische Themen sucht, ist im Schlossmuseum besser aufgehoben. Für einen vollständigen Museum-Tag empfehlen wir beide Häuser an einem Tag - sie liegen zu Fuß 10 Minuten auseinander. Mehr im Galerien-Linz-Guide.

Anreise

Das Nordico liegt am Simon-Wiesenthal-Platz 1 - wenige Meter vom Hauptplatz entfernt. Anreise: Linien 1, 2, 3, 4 bis Hauptplatz, dann 3 Minuten Fußweg. Das Nordico ist barrierefrei zugänglich. Für Rollstuhlfahrer:innen und Familien mit Kinderwagen eine der besser zugänglichen Linzer Museumsadressen. Parkmöglichkeiten: Parkhaus Hauptplatz oder Parkhaus Promenade - mehr im Parken-Linz-Guide.

Nordico-Publikationen

Das Nordico gibt regelmäßig wissenschaftliche Publikationen heraus - Ausstellungs-Kataloge, Einzel-Monografien, Sammelbände. Diese sind für Linzer Stadtgeschichts-Interessierte oft die besten verfügbaren Quellen - mit originalen historischen Fotografien und fundierten Texten. Im Museum-Shop zu Einzelpreisen erhältlich, über Fernleihe auch in der OÖ Landesbibliothek verfügbar (mehr im Bibliotheken-Linz-Guide). Für wissenschaftliche Vertiefung eine wichtige Ressource. Mehr auch auf der Stadtarchiv-Website stadtgeschichte.linz.at mit Online-Zeittafeln und Beiträgen.

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