LINZ JOURNAL

Urfahranermarkt: Österreichs ältester Jahrmarkt

Zweimal im Jahr füllt sich das Gelände in Urfahr mit 42 Fahrgeschäften und rund 180 Ausstellern. Das Marktrecht stammt von 1817, der Eintritt kostet bis heute nichts - die Termine, die Zahlen und was sich 2026 geändert hat.

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Urfahranermarkt: Österreichs ältester Jahrmarkt

Ein Marktrecht von 1817

Der Urfahranermarkt ist kein Volksfest, das irgendwann entstanden ist - er hat ein Gründungsdatum. 1817 verlieh Kaiser Franz I. das Recht, in Urfahr zwei Märkte pro Jahr abzuhalten, einen im Frühjahr und einen im Herbst. Dieser Rhythmus gilt bis heute unverändert, was den Urfahranermarkt zum ältesten Jahrmarkt Österreichs macht.

Urfahr war damals eine eigene Gemeinde am linken Donauufer und wurde erst 1919 nach Linz eingemeindet - die Geschichte dieser Zusammenlegung steht im Artikel über Urfahr. Der Markt hat den Ortsnamen behalten, obwohl der Ort als Verwaltungseinheit längst verschwunden ist. Im Linzer Sprachgebrauch heißt er meist einfach „der Jahrmarkt" oder „der Urfahrmarkt".

Heute gilt er als größtes Volksfest Österreichs, mit über einer Million Besucherinnen und Besuchern pro Jahr über beide Markttermine gerechnet - Spitzenwerte einzelner Märkte liegen bei bis zu 650.000 Gästen. Der Eintritt hat sich in über zweihundert Jahren nicht geändert: Er kostet nichts. 2017 feierte der Markt sein 200-jähriges Bestehen.

Vom Warenmarkt zum Volksfest

Wer heute zwischen Riesenrad und Festzelt steht, sieht wenig von dem, wofür der Markt ursprünglich gedacht war. Im 19. Jahrhundert war er ausschließlich ein Handelsplatz: gehandelt wurden Waren aller Art, vor allem Verbrauchsgüter und landwirtschaftliche Geräte. Für die Bauern des Mühlviertels und des Zentralraums waren die beiden Markttermine im Frühjahr und Herbst die Gelegenheit, Werkzeug und Gerät einzukaufen - der Rhythmus folgte dem Arbeitsjahr in der Landwirtschaft, nicht dem Vergnügungsbedarf der Stadt.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Vergnügungen dazu, zunächst Schießbuden und Schaukeln. Im Lauf des 20. Jahrhunderts kippte das Verhältnis: Aus dem Verkaufsmarkt mit Unterhaltung wurde ein Volksfest mit angeschlossener Warenmesse. Diese Doppelstruktur ist bis heute erhalten - neben den Fahrgeschäften und den drei großen Festzelten steht eine Warenmesse in sechs Hallen mit Möbeln und Ständen heimischer Betriebe. Für viele ältere Besucherinnen und Besucher ist dieser Teil nach wie vor der eigentliche Grund für den Weg über die Nibelungenbrücke.

Auch der Standort ist gewandert. Zuerst fand der Markt am Steinmetzplatz statt, später auf dem Gelände des heutigen Bernaschekplatzes. Seit 1902 steht er an der Urfahrer Donaulände, also auf dem Areal, das heute als Jahrmarktgelände bekannt ist.

Die Termine 2026

Der Frühjahrsmarkt lief vom 30. April bis 10. Mai 2026. Er startete zwei Tage früher als üblich, um das verlängerte Wochenende um den 1. Mai auszunutzen, und war damit laut ORF Oberösterreich mit elf Tagen der längste Urfahranermarkt der Geschichte. Die Bilanz: 550.000 Besucherinnen und Besucher laut Marktleitung. Der bisherige Rekord liegt weiterhin bei 680.000 Gästen, aufgestellt beim Frühjahrsmarkt 2012.

Der Herbstmarkt findet vom 25. September bis 4. Oktober 2026 statt. Er ist traditionell etwas kürzer als der Frühjahrstermin und liegt so, dass er die letzten warmen Abende des Jahres mitnimmt - was ihn bei Besuchern ohne Kinder oft beliebter macht als den Frühjahrsmarkt.

Der Herbsttermin hat außerdem einen eigenen Namen für seinen Messeteil: Die Warenschau läuft dann als „Linzer Herbst", veranstaltet von der Messemanagement Linz GmbH (Hollabererstraße 8-10, Telefon +43 732 611100). Sie versteht sich als Gewerbeausstellung, die vier Elemente verbindet: eine Handelsausstellung, den klassischen Warenmarkt, den Vergnügungspark und die Gastronomie in den Festzelten. Für die Messehallen gibt es einen eigenen Hallenplan zum Download auf linzerherbst.at - im Herbst ist der Markt damit stärker Messe als im Frühjahr.

Zum Rahmenprogramm im Festzelt gehören Verlosungen, Tanzeinlagen einer Tanzschule und Bingo-Runden; ein fixer Programmpunkt ist der Anschnitt der Urfahranermarkt-Torte. Die tagesaktuellen Zeiten der einzelnen Fahrgeschäfte und Zelte stehen im Öffnungszeiten-Bereich der Marktseite - sie unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb und ändern sich je nach Wochentag.

Was am Gelände steht

Der Frühjahrsmarkt 2026 kam auf rund 180 Aussteller und 42 Fahrgeschäfte, darunter fünf neue. Zu den Neuzugängen zählte ein begehbares Spaßhaus mit Spiegeln, beweglichen Böden und Hindernissen - also die klassische Lachkabinett-Form, die auf Jahrmärkten fast ausgestorben ist.

Die Grundstruktur ist seit Jahrzehnten dieselbe und lässt sich grob in drei Zonen teilen:

  • Die Fahrgeschäfte: Riesenrad, Achterbahnen, Kettenkarussell, Break Dancer und die schnellen Neuheiten, die jedes Jahr wechseln. Das Riesenrad ist der einzige Punkt, von dem aus man den Markt komplett überblickt.
  • Die Gastronomie: Festzelte mit Live-Musik, dazu die klassischen Stände mit Langos, Grillhendl, gebrannten Mandeln und Zuckerwatte.
  • Die Verkaufsstände: Haushaltswaren, Werkzeug, Kleidung, Süßwaren - der Teil, der dem Wort „Markt" im Namen noch entspricht und der bei jüngeren Gästen oft übersehen wird.

Dazu kommt ein Rahmenprogramm, das jedes Jahr neu zusammengestellt wird. 2026 standen unter anderem Speed-Dating im Riesenrad, Frühschoppen mit LinzBrassAG, Libra, Die Nimmervolls und Brassilikum, eine Trachtenmodenschau und das traditionelle Feuerwerk am Programm.

Die Termine sind dabei über die gesamte Marktdauer verteilt und richten sich an unterschiedliche Gruppen: Los ging es am 3. Mai mit einem Frühstück samt ORF-Radio, am 5. Mai folgte der Seniorentag mit Tanz und dem Anschnitt der Markttorte, am 7. Mai gab es Prominenten-Besuche und um 21:30 Uhr das Feuerwerk, und den Abschluss bildete am 10. Mai ein Tag der Blasmusik. Wer den Markt nicht wegen der Fahrgeschäfte besucht, findet in diesem Kalender den eigentlichen Grund für den Weg über die Brücke.

Was ein Markt dieser Größe verbraucht, lässt sich an zwei Zahlen aus dem Frühjahr 2026 ablesen: Ausgeschenkt wurden 108.000 Halbe Bier, über die Theken gingen 74.000 Portionen Bratwurst. Auf 550.000 Gäste gerechnet heißt das: Etwa jeder fünfte Besucher hat ein Bier getrunken, etwa jeder siebte eine Bratwurst gegessen - der Markt ist also weniger Trinkveranstaltung, als sein Ruf vermuten lässt. Wer regionale Wirtshausküche abseits des Festzelts sucht, findet sie im Wirtshaus-Guide.

Der Familientag: der günstigste Tag des Marktes

Ein Termin lohnt sich für Familien besonders, und er ist erstaunlich wenig bekannt: Einmal pro Marktdurchgang findet ein Familientag statt, an dem zahlreiche Fahrgeschäfte und Standler ermäßigte Preise verlangen. 2026 fiel er auf Mittwoch, den 6. Mai, die Ermäßigungen galten bis 19 Uhr und waren direkt vor Ort an den jeweiligen Ständen ausgeschildert.

Zwei Dinge sind dabei zu beachten: Die Aktionen gelten ausschließlich an diesem einen Tag, und sie werden nicht zentral veröffentlicht - welcher Betrieb mitmacht, sieht man erst am Gelände. Wer mit mehreren Kindern kommt und auf die Fahrgeschäfte will, spart an diesem Nachmittag trotzdem spürbar. Der Termin des jeweiligen Familientags steht rechtzeitig im Programm auf urfahranermarkt.com.

Ort, Öffnungszeiten, Anreise

Der Markt findet am Urfahraner Marktgelände, Urfahrmarkt 1, 4040 Linz statt - am linken Donauufer, unmittelbar hinter der Nibelungenbrücke. Veranstalter sind die Linzer Märkte als Einrichtung der Stadt, erreichbar unter marktmanagement@mag.linz.at und telefonisch unter +43 732 7070.

Das Gelände ist ganztägig zugänglich; die einzelnen Fahrgeschäfte und Zelte haben unterschiedliche Betriebszeiten, die auf urfahranermarkt.com tagesaktuell stehen. Der Eintritt ist frei, bezahlt wird pro Fahrt und pro Konsumation.

Was der Aufbau bedeutet, macht eine Zahl aus dem Frühjahr 2026 deutlich: Rund 500 Arbeitskräfte stellten das Gelände auf und bewegten dabei etwa 7.800 Tonnen Material. Der östliche Teil wurde um rund 25 Meter erweitert, um Platz für neue Attraktionen zu schaffen - darunter Rio Rapidos, eine 17 Meter hohe Wasserbahn, das interaktive Laserschießspiel Laserpix und der Maya-Themenflieger Kanurah. Der zusätzliche elfte Tag entstand durch eine Probebeleuchtung am Donnerstagabend ab 17 Uhr. Vizebürgermeister Martin Hajart begründete den früheren Start damit, dass er einen zusätzlichen Abend schaffe und das Eröffnungswochenende stärke.

Auch die Öffis fahren dichter: Die Straßenbahnlinien 1 und 2 verkehrten an den Marktsonntagen und am Nachmittag des 1. Mai im 7,5-Minuten-Takt, nachts übernahmen die Linien N82, N83 und N84 zwischen etwa 0:20 und 5 Uhr. Wer selbst einen Standplatz beantragen will, findet die Formulare beim Marktmanagement der Stadt Linz im Neuen Rathaus, Hauptstraße 1-5 (marktmanagement@mag.linz.at).

Zur Anreise: Das Gelände liegt in Gehweite vom Hauptplatz - über die Nibelungenbrücke sind es rund zehn Minuten. Mit den Öffis fahren die Straßenbahnlinien 1, 2 und 3 bis Rudolfstraße beziehungsweise Hauptplatz. Mit dem Auto ist der Markt an starken Abenden schwer erreichbar, weil das Marktgelände selbst - sonst einer der größten Parkplätze der Stadt - während der Markttage belegt ist. Wer trotzdem fährt, sollte die Innenstadtgaragen einplanen, Details im Park-Guide.

Wann Sie hingehen sollten

Der Markt hat drei sehr unterschiedliche Gesichter, je nach Tageszeit:

Nachmittags unter der Woche ist er ruhig, die Fahrgeschäfte haben kaum Wartezeit, und die Preise für Familienkarten greifen. Das ist die Zeit für den Besuch mit kleineren Kindern - weitere Familienziele in der Stadt stehen im Familien-Guide.

Freitag- und Samstagabend ist der Markt am vollsten und am lautesten. Wer die Atmosphäre sucht, kommt dann; wer mit Kinderwagen unterwegs ist, eher nicht.

Der Feuerwerkstermin ist der einzelne Abend mit dem stärksten Andrang. Gute Sicht hat man auch von der Donaulände am gegenüberliegenden Ufer, ohne im Gedränge zu stehen.

Das Gelände zwischen den Märkten

An den rund 345 Tagen im Jahr, an denen kein Jahrmarkt läuft, ist das Areal eine der meistgenutzten Freiflächen der Stadt. Dort parken die Besucher, die zu Fuß in die Innenstadt gehen; im Oktober baut der Lions Club sein Flohmarkt-Festzelt auf, und im Februar stand hier zuletzt der Winter-Flohmarkt - beides beschrieben im Flohmarkt-Überblick. Auch der Stadtwanderweg auf den Pöstlingberg nutzt das Gelände als Ausgangspunkt für Anreisende mit dem Auto.

Diese Doppelnutzung erklärt, warum die Fläche mitten in der Stadt bis heute unbebaut ist: Sie ist kein Restgrundstück, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Volksfest dieser Größe zweimal jährlich in Gehweite vom Hauptplatz stattfinden kann. Was sonst im Herbst in Linz läuft, steht in den September- und Oktober-Terminen.

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