Roboter-Bypass am KUK Linz: Premiere für Oberösterreich
Am 26. Juli 2026 führte das Kepler Universitätsklinikum Linz erstmals zwei roboterassistierte Bypass-Operationen durch - ein Meilenstein für die Herzchirurgie in Oberösterreich. Beide Patienten konnten bereits am Folgetag auf die Normalstation verlegt werden.
Am 26. Juli 2026 hat das Kepler Universitätsklinikum (KUK) Linz die ersten roboterassistierten Bypass-Operationen in Oberösterreich durchgeführt. Die beiden Eingriffe fanden im Zentral-OP am schlagenden Herzen statt - ohne Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Damit ist das KUK nach der Klinik Floridsdorf erst das zweite Krankenhaus in Österreich, das diese Methode anwendet.
Zwei Patienten, ein Tag Erholung
Operiert wurden ein 84-jähriger Patient sowie ein 54-jähriger Patient. Beide konnten bereits am ersten Tag nach dem Eingriff auf die Normalstation verlegt werden und waren zu diesem Zeitpunkt schmerzfrei sowie mobilisiert. Das Operationsteam stand unter der Leitung von Univ.-Prof. Andreas Zierer, Vorstand der Universitätsklinik für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie.
Unterstützt wurde das KUK-Team von Štěpán Černý, Chefarzt der Herzchirurgie am Universitätsklinikum Motol in Prag, der als europäischer Pionier der roboterassistierten Herzchirurgie gilt. An den Eingriffen waren zudem Fachkräfte aus Anästhesie, Kardiotechnik sowie OP- und Anästhesiepflege beteiligt. Das Team hatte sich rund ein Jahr lang auf die Eingriffe vorbereitet.
Roboter übersetzt Handbewegungen in Präzision
Bei der roboterassistierten Herzchirurgie übersetzt das System die Handbewegungen des Chirurgen präzise auf winzige Instrumente im Brustkorb. Ein wesentlicher Vorteil: Das System eliminiert menschliches Zittern und kontrolliert die Kraftentwicklung, wodurch umliegendes Gewebe und Nerven maximal geschont werden. Im Vergleich zur klassischen offenen Herzoperation, bei der das Brustbein durchtrennt wird, entfällt die monatelange Knochenheilung.
Bei klassischen Bypass-OPs muss der Patient außerdem an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden, was unter anderem Probleme mit der Blutgerinnung nach sich ziehen kann. Durch die kleinen Zugänge beim Roboterverfahren ist der Blutverlust erheblich geringer, das Infektionsrisiko sinkt deutlich. Die stationäre Aufenthaltsdauer kann gegenüber dem herkömmlichen Eingriff auf die Hälfte reduziert werden.
DaVinci-Roboter und Blick auf die Zukunft
Das KUK verfügt derzeit über einen Da-Vinci-Roboter, der der Herzchirurgie einmal im Monat zur Verfügung steht. Die Anschaffungskosten eines solchen Geräts liegen bei zwei bis 2,5 Millionen Euro. Zierer sieht langfristig Potenzial, die Hälfte aller Herzoperationen auf diese schonende Weise durchzuführen - in Oberösterreich sind das derzeit rund 1.600 Eingriffe pro Jahr.
Derzeit ist das Verfahren rechtlich auf Bypass-Operationen beschränkt. Die Zulassung neuer Robotersysteme in Europa steht laut Zierer jedoch unmittelbar bevor. Danach sollen auch andere Eingriffe, etwa Herzklappen-Operationen, robotergestützt möglich werden. Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) verwies im Rahmen eines Pressegesprächs auf eine in Ausarbeitung befindliche Roboterstrategie des Landes Oberösterreich.
KUK als Innovationsmotor in der Region
Das Kepler Universitätsklinikum entwickelt sich seit seiner Gründung 2016 kontinuierlich zu einem Zentrum für Robotik im Operationssaal. Bereits 2021 wurde der erste MAKO-Operationsroboter Österreichs für Gelenkersatzoperationen in Betrieb genommen, 2024 kam erstmals ein Roboter bei der Implantation eines Cochlea-Hörimplantats in Oberösterreich zum Einsatz. Die aktuellen Bypass-Eingriffe markieren nun den Einstieg in die roboterassistierte Herzchirurgie - ein Bereich, in dem europaweit wenige Zentren aktiv sind.
KUK-Geschäftsführer Meinhard Lukas betonte, das neue Verfahren fördere und beschleunige die Genesung der Patienten und mache das Gesundheitssystem effizienter. Als nächsten Schritt plant das KUK die Einführung des sogenannten ERAS-Konzepts (Enhanced Recovery After Surgery) am Herzzentrum, um Belastung und Genesungszeit nach Herzoperationen weiter zu reduzieren.
Stand: 7. August 2026