LINZ JOURNAL

Der Botanische Garten in Linz

Zwei Euro Eintritt für 4,2 Hektar, rund 10.000 Pflanzenarten, 1.000 Kakteen- und 1.100 Orchideenarten. Was der Garten am Bauernberg zeigt, wann er geöffnet hat - und warum die Gewächshäuser ab September 2026 für rund zwei Jahre zusperren.

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Der Botanische Garten in Linz

Zwei Euro für 4,2 Hektar

Der Botanische Garten der Stadt Linz liegt an der Roseggerstraße 20 am Bauernberg, gut einen Kilometer südwestlich der Innenstadt, und gehört zu den wenigen Ausflugszielen der Stadt, bei denen der Eintritt in keinem Verhältnis zum Aufwand dahinter steht. Eine Tageskarte kostet 2,00 Euro für Erwachsene und 1,00 Euro ermäßigt, die Familienkarte 4,00 Euro. Frei hinein kommen Kinder bis sechs Jahre, Schulklassen mit Begleitung und Inhaberinnen und Inhaber des Linzer Aktivpasses.

Wer öfter kommt, greift zur Jahreskarte: 20,00 Euro für Erwachsene, 11,00 Euro ermäßigt, 40,00 Euro für Familien. Bei zehn Besuchen im Jahr kostet der Garten damit rechnerisch weniger als ein Kaffee pro Besuch - was erklärt, warum ein Teil des Publikums hier nicht botanisch interessiert ist, sondern schlicht spazieren geht. Die Anlage misst 4,2 Hektar und zeigt rund 10.000 Pflanzenarten.

Die Sammlungen: Kakteen, Orchideen, Alpinum

Drei Bereiche machen den fachlichen Rang des Gartens aus. Im Sukkulentenhaus stehen rund 1.000 Kakteenarten - nach Angaben des Gartens eine der größten Sammlungen Europas. Diese Spezialisierung ist alt: Bereits 1963 wurde Linz als vierte europäische Zentrale für Sukkulentenforschung eingerichtet.

Die Orchideensammlung umfasst etwa 1.100 Arten und ist deshalb bemerkenswert, weil es sich großteils um Wildarten handelt, nicht um die im Handel üblichen Hybriden. Für die Erhaltung bedrohter Arten ist das ein Unterschied ums Ganze. Wildarten sind schwieriger zu kultivieren als Zuchtformen, brauchen andere Substrate und reagieren empfindlicher auf Temperaturschwankungen - deshalb steckt in dieser Sammlung mehr gärtnerische Arbeit als in jeder Blütenschau. Das Alpinum schließlich versammelt Gebirgspflanzen von allen Kontinenten auf einem Steingarten-Gelände, das die Hanglage des Bauernbergs ausnutzt. Dazu kommen der Rosengarten, ein Bereich mit Nutz- und Heilpflanzen und mehrere Naturgartenflächen, die in den vergangenen Jahren dazugekommen sind.

Ab September 2026 sind die Gewächshäuser gesperrt

Wer einen Besuch plant, muss das einrechnen: Mit 1. September 2026 schließen die Gewächshäuser, und zwar nicht für ein paar Wochen, sondern laut Botanischem Garten für rund zwei Jahre. Grund ist ein Neubau - die bestehenden Häuser stammen in ihrer Grundsubstanz aus den 1970er-Jahren, das Tropenhaus wurde 1976/77 mit Gasheizung errichtet.

Das Projekt ist mit sieben Millionen Euro veranschlagt und umfasst mehr als die Glashäuser: Geplant sind ein erneuerter Eingangsbereich mit Besucherzentrum und bessere Arbeitsbedingungen für das Gartenpersonal. Umgesetzt wird der Bau von der stadteigenen Immobilien Linz GmbH; nach Detailplanung und Einreichung soll 2027 gebaut und Anfang 2028 fertiggestellt werden, wie die Oberösterreichischen Nachrichten berichteten. Ausschlaggebend war weniger der Komfort als die Technik: Die alten Häuser haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, der Neubau soll deutlich weniger Energie brauchen.

Praktisch heißt das: Kakteen, Orchideen und Tropenpflanzen sind ab Herbst 2026 vorerst nicht zu sehen. Das Freigelände bleibt offen, also Alpinum, Rosengarten, Teichbereich und Ausstellungsflächen. Die beliebte Schmetterlingsausstellung, die sonst in den Schauhäusern läuft, entfällt für die Bauzeit. Wer die Sammlungen sehen will, hat dafür nur noch die Wochen bis Ende August 2026 Zeit - danach lohnt der Garten als Park, nicht als Schauhaus.

Was im Freigelände zu sehen bleibt

Für die kommenden zwei Jahre wird das Freigelände zur Hauptsache, und es trägt diese Rolle besser, als man einem 4,2-Hektar-Gelände zutrauen würde. Der Rosengarten auf dem ehemaligen Glasfabriksareal hat seinen Höhepunkt im Juni, das Alpinum mit den Polsterpflanzen der Hochgebirge blüht früher und über einen längeren Zeitraum. Dazwischen liegen Teichflächen, Nutz- und Heilpflanzenbeete und die in den vergangenen Jahren angelegten Naturgartenbereiche, in denen gezeigt wird, wie ein Garten ohne Rasenmäher-Ordnung aussieht - und welche Insekten dann auftauchen.

Dazu kommt ein Lehrpfad zur Bioökonomie, der erklärt, welche Rohstoffe aus Pflanzen heute in Baustoffen, Textilien und Verpackungen stecken. Verteilt über das ganze Gelände stehen Skulpturen und wechselnde Kunstinstallationen, die nicht dekorativ gemeint sind, sondern das Programm des Jahres begleiten. Wer mit Kindern kommt: Der Weg über die Terrassen funktioniert gut als Rundgang mit Suchaufgaben, ein Spielplatz im engeren Sinn gehört aber nicht zur Anlage.

Öffnungszeiten im Jahreslauf

Der Garten hat das ganze Jahr über offen, die Zeiten wandern mit dem Tageslicht:

  • Jänner und Februar: 9 bis 16 Uhr
  • März: 9 bis 17 Uhr
  • April bis August: 9 bis 19 Uhr (Gewächshäuser bis 17 Uhr)
  • September und Oktober: ab 9 Uhr, Freigelände
  • November und Dezember: 9 bis 16 Uhr

Geschlossen bleibt an vier Tagen im Jahr: am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Jänner. Hunde dürfen an kurzer Leine mit, die meisten Wege sind rollstuhlgängig - bei einem Gelände am Hang mit den üblichen Einschränkungen an den steileren Passagen.

Vom Jesuitengymnasium zum Stadtgarten

Die Geschichte reicht weiter zurück als der heutige Standort. Den Anfang machte 1853 ein botanischer Garten beim Aloisianum, dem Jesuitengymnasium am Freinberg. Um 1900 legte der Verein für Naturkunde eine neue Anlage an der Dinghoferstraße an, die die Stadt 1926 übernahm. Der Zweite Weltkrieg zerstörte diesen Garten.

Der Neuanfang fiel in die Nachkriegsjahre: 1946 beantragte der Landesschulrat für Oberösterreich beim Linzer Bürgermeister einen neuen Botanischen Garten, 1950 widmete die Stadt dafür eine 1,8 Hektar große Fläche an der Roseggerstraße, die von der Brau Actien Gesellschaft erworben wurde. Angelegt wurde die Anlage 1950/51, eröffnet am 5. Mai 1952 durch Bürgermeister Ernst Koref. Mit dem Rosengarten auf einem ehemaligen Glasfabriksgelände erreichte der Garten 1966 seine heutige Größe. 2022 feierte er sein 70-jähriges Bestehen; 2024 zählte er über 114.000 Besucherinnen und Besucher.

Rund 140 Veranstaltungen im Jahr

Der Garten ist kein reines Schaugelände, sondern ein Veranstaltungsort mit dichtem Programm - etwa 140 Termine pro Jahr, von Konzerten über Vorträge bis zu Familienworkshops. Ein Ausschnitt aus dem Programm 2026: die Chili-Ausstellung „Gewürz-Odyssee" im Freigelände bis 1. November, die Schau „Pioniere des Lebens" zur Pflanzenevolution bis 16. August, die Herbstfarben vom 26. September bis 15. November und die Krippenausstellung vom 21. November bis 2. Februar 2027.

Dazu kommt Kunst: Martin Mühlberger zeigt von 9. Mai bis 1. November Stahlarbeiten zum Verhältnis von Mensch und Natur, Khoan Tran vom 19. September bis 4. Oktober traditionelle chinesische Tuschmalerei. Führungen und Exkursionen laufen zum Teil in Kooperation mit der Volkshochschule Linz, etwa zu Giftpflanzen oder zur Herbstökologie; für Kinder gibt es Werkstätten vom Igelhausbau bis zur Winterbeobachtung. Die meisten Termine sind mit dem regulären Eintritt abgedeckt, Workshops kosten extra. Der aktuelle Kalender steht im Veranstaltungsprogramm des Gartens.

Angeschlossen ist die Naturkundliche Station der Stadt Linz, die Umweltbildung betreibt und das Programm fachlich trägt. Ihre Vorträge sind der Grund, warum im Garten regelmäßig Publikum sitzt, das nicht wegen der Blüten kommt.

Anreise, Parken, Café

Öffentlich erreichen Sie den Garten mit der Buslinie 27. Mit dem Auto wird es eng: Direkt am Garten stehen nur zehn Stellplätze zur Verfügung, zwei davon barrierefrei. An sonnigen Wochenenden im Frühjahr ist das binnen Minuten erledigt - in der Umgebung gilt großteils Kurzparkzone, ein Blick in den Überblick zum Parken in Linz schadet vorher nicht.

Im Garten betreibt Benetseder das Café Orchidee, geöffnet täglich außer Montag, an Feiertagen auch montags. Es ist eine der ruhigsten Kaffeeadressen der Stadt, weil man dafür durch ein Drehkreuz muss - Laufkundschaft gibt es hier nicht.

Wann sich der Besuch am meisten lohnt

Die dichteste Zeit im Freigelände ist Mai und Juni, wenn Rosengarten und Alpinum gleichzeitig blühen. Der Herbst zwischen Ende September und Mitte November hat die Farben, aber weniger Publikum. Und im Winter war bisher das Tropenhaus das Argument, an einem grauen Sonntag hierher zu fahren - dieses Argument fällt bis voraussichtlich 2028 weg.

Für einen vollständigen Rundgang reichen eineinhalb Stunden, mit Café und Ausstellung werden zwei bis drei daraus. Wer die Sammlungen wirklich anschauen und nicht nur durchgehen will, sollte an einem Wochentagvormittag kommen.

Und noch ein Argument, das im Programmheft nicht vorkommt: Der Bauernberg liegt so nah an der Innenstadt, dass sich der Garten als Zwischenstopp eignet. Vom Ausgang sind es wenige Minuten zum Bauernbergpark und weiter zur Landstraße - eine Kombination, die aus zwei Euro Eintritt einen halben Tag macht. Wer fotografiert, kommt am besten früh: Bis etwa zehn Uhr steht die Sonne so, dass die Terrassen des Alpinums nicht im harten Gegenlicht liegen, und der Garten ist noch fast leer.

Ein letzter Hinweis zur Jahreskarte: Sie kostet mit 20,00 Euro so viel wie zehn Einzeleintritte, gilt aber auch für die Ausstellungen im Freigelände. Wer in Gehweite wohnt und den Garten als Spazierrunde nutzt, hat sie in der Regel im ersten Frühjahr abgearbeitet. Weitere Adressen für Regentage und Familienausflüge stehen in den Übersichten Linz bei Regen und Linz mit Kindern. Alle Preis- und Zeitangaben: Stand August 2026.

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